Mobbing

 

Definition nach Leymann:

„Mobbing ist eine konfliktbelastete Kommunikation (anhaltende Schikanierung mit psychologischen Mitteln) am Arbeitsplatz, unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Dabei ist die angegriffene Person unterlegen. Sie wird von einer oder mehreren anderen Personen systematisch und während längerer Zeit (1x wöchentlich, 6 Monate) direkt oder indirekt angegriffen. Ziel oder Effekt der Angriffe ist die Ausgrenzung der betroffenen Person.“

 

Beispiel für einen Mobbingfall und dessen Konsequenzen:

Fr. B., 38 Jahre, hat bereits einige Lebensprobleme bewältigt, Germanistik studiert und dann aus Berufung ein Diplom als Erzieherin dran gehängt. An ihrer ersten Stelle in einem Freizeitzentrum für Jugendliche trifft sie auf eine ältere Vorgesetzte und weitere Kolleginnen, die sich „hochgearbeitet“ haben und inzwischen ein eingespieltes Team sind. Fr. B. kommt bei den Jugendlichen durch ihre unkomplizierte Art gut an, sie arbeitet gerne und gewissenhaft, hat Lebenserfahrung, Witz und ist eigentlich ideal für die Stelle. Durch ihre Gewissenhaftigkeit, ihr Wissen, ihren Idealismus und ihre Kleidung hebt sie sich von den anderen ab. Sie wird von ihren Kollegen zunehmend als Außenseiterin behandelt, nicht in die Organisation miteinbezogen, ständig kontrolliert, wegen Lappalien kritisiert, von Kollegen vor Jugendlichen lächerlich gemacht und wegen ihrer Kleidung kritisiert.

Fr. B. beschließt sich nichts draus zu machen und ist zuversichtlich, dass sie die Kollegen durch ihren Einsatz zur Akzeptanz ihrer Person überzeugen kann.Fr. B. arbeitet immer mehr übernimmt mehr Projekte, grenzt sich nicht ab, behält Anfeindungen für sich und schämt sich, dass ihre üblichen Strategien sich in ein neues soziales Gefüge einzufinden nicht helfen und die Anderen sie nicht akzeptieren. Durch ihren Arbeitseinsatz hebt sie sich immer mehr von den Anderen ab und macht sich unfreiwillig weiter zur Zielscheibe. Sie gerät an ihre Belastbarkeitsgrenze und wird häufiger krank, lässt sich aber nicht krank schreiben, da sie einen inneren Zwang verspürt weiter zu arbeiten um den Kollegen nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten. Psychosomatische Symptome (z.B. Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche auf dem Weg zur Arbeit, Herzrasen) nehmen über 3 Jahre kontinuierlich zu, Fr. B. versucht sie erst zu ignorieren bis es zu einem „Zusammenbruch“ und einer langen Krankheitsphase und einer anschließenden psychosomatischen Rehamaßnahme kommt in der sich die Frage stellt, ob Fr. B zurück an ihre alte Stelle kann.

 

Typische Mobbinghandlungen nach Leymann:

Im Folgenden werden typische Angriffe beschrieben, die bei Mobbing vorkommen können:

 

  1. Es wird einem erschwert oder gar vollständig untersagt, sich zu äußern (Verbot von Vorgesetztem, Unterbrechungen in Besprechungen, Anschreiben, Kritik, Drohungen, Kontaktverweigerung)
  2. Soziale Beziehungen können in der Firma nicht gelebt werden (es wird nicht mehr mit der gemobbten Person gesprochen oder es wird sogar verboten, Versetzung in einen Raum abseits der anderen)
  3. Das persönliche Ansehen wird angegriffen oder gar zerstört bzw. Diskriminierung (üble Nachrede/Gerüchte, Schimpworte, sexuelle Handlungen, Infragestelln von Entscheidung oder der Arbeit des Gemobbten, Belustigung zu Nationalität, Religion, Gang, Stimme, Persönlichkeit, etc.)
  4. Bereiten einer erschwerenden Arbeit bzw. eines erschwerenden Tagesablauf (Keine Aufgaben mehr zuweisen, Verbot von Aktivität, Vergabe von sinnlosen oder ständig neuen Aufgaben, oder Aufgaben, die weit unter/über dem Niveau der gemobbten Person liegen)
  5. Zufügen eines direkten körperlichen oder finanziellen Schadens (Androhung oder Anwendung von physischer bzw. sexueller Gewalt/Misshandlung, Zwang zu gesundheitsschädlicher Arbeit, Zerstörung von privatem Eigentum oder des Arbeitsplatzes)

 

Was tun?

Wichtig: Mobbingopfer sollten so wie möglich aus ihrer Opferrolle herauskommen! Dazu ist ein sofortiges, aktives Handeln notwendig:

·        Tätern muss klare Grenzen gesetzt werden – wehren durch deutliche Aussprache statt abwarten und unterwerfen!

·        Vorgesetzte sollten in Kenntnis gesetzt werden, welche verpflichtet sind, den Opfern ernsthafte Hilfe anzubieten (Fürsorgepflicht des Arbeitgebers).

·        Weitere Personenkreise ansprechen: Betriebsrat, Gewerkschaft, Kollegen, Mobbingopferberatung/Beratungsstelen, Psychotherapeuten

 

Autoren: Sylvia Benz, Nick Melekian

© 2008 Sylvia Benz und Nick Melekian - Reproduktionen, Übersetzungen, Verbreitung, Weiterverarbeitung oder ähnliche Handlungen zu kommerziellen oder nichtkommerziellen Zwecken sowie Wiederverkauf sind ohne die schriftliche Zustimmung des Autors nicht gestattet.