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Arnold, Rheine

Rheine, Deutschland
Bronze-Status

Ein Beamter den es aufs Meer hinauszieht?

Liebe Freunde,

das wird ein langer Post!

Kurz zu mir: Ich bin 28, Beamter im öffentlichen Dienst NRW (Polizeikommissar, Gehalt: A9). Zur Polizei kam ich recht "spät" mit 24. Das Studium beendete ich mit noch 26. Manche bewerben sich da schon für die Ratslaufbahn im höheren Dienst (A13 - A16). Auch das wäre so der Weg, denn ich kann mir beim besten Willen NICHT vorstellen bis ans Ende aller Tage im Streifenwagen zu verbringen und die millionste Ruhestörung oder Rangelei zu schlichten. Um ehrlich zu sein, schaue ich bereits jetzt irgendwie nach links und rechts - eigentlich irre oder? Da ich doch meinen Allerwertesten in einem sicheren, gutbezahlten Job mir Aussicht auf rosige Pension/Rente geparkt habe. Also der Wach- und Wechseldienst im Poolbetrieb (freie Vorplanung) ist gesundheitlich und für die Privatsphäre der größte Käse, das wusste ich schon vorher. Eine Woche wie: Nacht, frei, Früh, Früh, frei, Spät, Nacht - adieu Schlafrhythmus und diese ein Tag hier frei ein Tag da frei kann man in die Tonne hauen. Klar, vor dem oder statt des höheren Dienstes versucht man es in die Kripo. Mo - Fr 07:00 - 15:30.

Über eine Ausbildung oder berufsspezifische Erfahrung wie Ingenieur, Geologe, Nautik und Seefahrt, Maschinenbau, Chemiker etc verfüge ich NICHT. Vor der Polizei habe ich jedoch für Conmetall, Würth und Meister die Aufbauten neuer Märkte mitgemacht was auch nicht selten hieß Tage oder Wochen in Hotels mit 12-Stunden am Stück Traversen aufbauen. Daher bezieht sich der Post eher auf den Bohrhelfer ODER des Deckmanns (beide werden je nach Website "Roustabout" genannt).

Neulich stieß ich, eher scherzhaft eigentlich, auf die Arbeit auf einer Bohrinsel. Ja die klischeehafte Bohrinsel. Man verdiene dort ein Heidengeld und es sei auch noch abgabenfrei, man habe wochenlang "Wochenende" nachdem man etwa zwei Wochen non stop 12 Stunden abgeleistet hat. Arbeit auf der ganzen Welt, auf offener See auf einer schwimmenden Ministadt. Klingt wie im Film. Doch meine Recherchen im Netz stoßen mich oft auf dubiose Vermittlerseiten, die einem kostenpflichtige Bewerbungsunterlagen zuschicken wollen etc. Auch die Infos sind etwas unterschiedlich. Erst heißt es, die Arbeitszeiten wie 14Tage zu 26Tage seien international geregelt, dann sprechen einige von 2 Wochen zu 4 Wochen, dann wiederum einige von 12 Tagen zu 24 Tagen etc. Die Gehälter heißen auch auf einer Seite 2500 Euro netto für einen Bohrhelfer, auf einer anderen Website gibt es schon 4500 Euro für denselben etc.

Es ist kein Scherz - ich überlege in der Tat, einen langen Urlaub oder gar ein Sabbatjahr einzulegen, um z.B. auf einer Bohrinsel ein Praktikum zu machen, bevor man blind Hals über Kopf in etwas hineinplumpst und das bisherige "aufgibt". Daher habe ich einen Fragenkatalog erstellt. Quasi ein kleines Brainstorming, was für Fragen mir sofort in den Sinn kommen.

Vorweg: Meine Besoldung ist A9. Mit den Zulagen komme ich monatlich etwa auf 2600 - 2700 EUR netto. Bei der KriPo fielen Schichtzulagen nochmal weg. Das Endstadium des gehobenen Dienstes ist bei A11, welches man je nach Behörde (z.B. kleine Landbehörde) erst Ende 40 erreichen kann. A12 und A13 führen nur über den Wach- und Wechseldienst als Dienstgruppenleiter mehrjährig und dann Wachleitung. Vorteil ist: von diesem Gehalt geht kein Penny weg für Krankenversicherung. Dies ist durch die freie Heilfürsorge des Landes NRW gedeckt. Die Pension wird ich glaube 75% des letzten Bruttogehalts betragen. Sprich auch in die Vorsorge geht vom Nettogehalt nichts mehr runter.

Nun zum Fragenkatalog:

1. Arbeitgeber
Für wen arbeite ich? Für die Ölbohrinsel selbst oder für eine explizite Firma XYZ GmbH, die lediglich Leute auf die Insel schickt? Und WENN ich für eine z.B. hier ansässige Firma arbeite, sind die Gehälter wirklich abgabenfrei? Argumentiert wird ja, man arbeite außerhalb von Hoheitsgebieten. Ja aber mein Arbeitgeber und ich haben beide einen Sitz in z.B. Deutschland. Wie genau ist das zu sehen?

2. Karriere
Viele Websites skizzieren folgende Karriere: Man bewirbt sich zunächst als Bohrhelfer. Bohrgestänge entrosten, lackieren, anreichen, Schmierstoffe anmischen etc. ABER man könne DORT VOR ORT oder sagen wir bei Fortbildungen vielleicht in der Firma Fachkenntnisse erwerben, um eventuell gar selbst zum Bohrteam zu gehören (natürlich mit gewaltigem Gehaltssprung). Ist das so realistisch oder eher einmal Bohrhelfer immer Bohrhelfer?

3. Arbeitsbedingungen
Gibt es wirklich eine international festgesetzte Arbeitszeit von Arbeit X zu Frei Y (12/24 oder 14/28 oder 18/32 etc)? Gilt die dann auch für alle oder hat da jeder Dienstleister seine eigenen Rhythmen? Ist zusätzlich Urlaub vorgesehen? Ich weiß, freche Frage angesichts der horrenden Frei-Tage.

4. Gehälter
Sind die Gehälter irgendwo in internationalen Tarifen festgehalten oder ist auch hier auf den Arbeitgeber zu achten? Und was muss von diesem Gehalt noch runter? Ist man über den Arbeitgeber krankenversichert? Zahlt er in die gesetzliche Rente mit ein? Oder muss ich das alles von dem Netto das ich bekomme selbst machen (private Krankenvers., private Rentenvers., etc.)?

5. Anreise
In vielen Portalen wird angepriesen, die Anreise erfolge im Team (Helicopter) und würde auch ansonsten vergütet. Darf ich mir das vorstellen, dass mir ein Ort genannt wird (z.B. irgendein Flughafen an der Küste), dort muss ich am... um... sein. Bahnticket etc würde mir dann erstattet werden? Gilt natürlich auch wieder für den Rückweg. Was ist mit Jobanbietern in Nicht-Nordsee-Nähe? Golf von Mexico lese ich viel. Müsste ich dann in die USA auswandern und dort leben? Ich denke ja, dass die Anreisevergütung irgendwo ihre Grenzen hat.

6. Realistisch?
Wie realistisch ist der Wechsel? Ich bin "schon" 28. Belastbar bin ich alle Male. Ich bin Amateurbodybuilder und Ausdauersportler. Sowohl kurze Maximalkraftpeaks, Kraftausdauer als auch aerobe Ausdauer sind für mich Gewohnheit. Auch Verleztzungsprävention und Regeneration sind meine täglichen Werkzeuge. 21 Tage von Zuhause weg zu sein ist für mich nicht ungewohnt und nicht unzumutbar. 12-Stunden-Schichten sind für mich nicht ungewohnt und nicht unzumutbar, zumal hier ein großzügiger Ruheausgleich erfolgt. Seekrankheit und Flugangst habe ich nicht. Hausen in einer kleinen 2 Mann Kajüte ist mir nicht unbekannt und nicht unzumutbar. Ach ja, englisch spreche ich fließend. Wie realistsich ist es für jemanden ohne Ausbildung in den auf der Bohrinsel gefragten Jobs an z.B. eine Stelle als erstmal Bohrhelfer zu kommen?

7. Bewerbungsverfahren
Wie läuft ein Bewerbungsverfahren ab? Über Vermittler? Über Firmen? Über wen und wo? Eignungstests? Welcher Art? Verhältnis von Bewerberzahlen zu Einstellung? Nur einer aus Tausenden?

8. Praktikum
Um nicht alles hinzuschmeißen und blind in etwas zu gehen wo ich nach einigen Monaten das Kotzen kriege und denke "was habe ich nur getan", gibt es vielleicht die Möglichkeit mal ein Praktikum zu absolvieren? z.B. eine Schicht von 21 Tagen mit einem Bohrteam mitzumachen?

Es wäre großartig wenn jemand von euch bereits Erfahrung in diesem Berufsfeld hat. Um die Einfachheit zu bewahren, würde ich bitten in der Gliederung der Fragen zu antworten:

Zu 1. ....

Zu 2. ....

Zu 3. ...


Ich danke im Voraus und sende beste Grüße

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