#1

Rafael, München

München, DeutschlandGold-Status

Hallo,

kennt sich jemand von euch hier mit dem Vergaberecht aus? Ich blicke da nämlich noch nicht so durch.
Wir haben einen etwas größeren Auftrag, den wir soweit ich das verstanden habe, öffentlich ausschreiben müssen.
Da kann sich doch jedes Unternehmen bewerben, oder?
Wäre es da denn auch möglich, dass sich eine Dienststelle bewerbt, die wir selbst führen? Oder muss das unabhängig sein?

Bin froh um jede Antwort!

#2

Johannes ,

, ÖsterreichPlatin-Status

Also grundsätzlich kann sich jeder für eine Ausschreibung bewerben. Bei der einstufigen Vergabe wird dann ein Auftragnehmer ausgewählt. Beim zweistufigen Verfahren kann man sozusagen noch in eine "zweite Runde" kommen, wenn man Glück hat. Aber ja, jedes private Unternehmen kann sich dafür bewerben.

Gibt halt ein paar Unterschiede, inwieweit sich jeder bewerben kann. Da gibt es so Grenzwerte. Liegt man z. B. unter einem, muss die Ausschreibung nur national erfolgen. Überschreitet man diese Grenzwerte, muss man die Ausschreibung europaweit machen. Das macht dann bei den Bewerbungen schon noch einen Unterschied.

Und wenn eine eurer Dienststellen den Auftrag übernehmen möchte, dann müsstet ihr das nicht ausschreiben. Das wäre dann eine Inhouse-Vergabe.

#3

Rafael, München

München, DeutschlandGold-Status

Aaah, da gibt es noch verschiedene Stufen beim Verfahren? Ich habe mir das offensichtlich viel simpler vorgestellt.
Kann man sich die Art des Verfahrens aussuchen? Oder hängt das auch von irgendwelchen Kriterien ab?

Weißt du, wo denn diese Grenzwerte liegen? Gelten die nur für Bauleistungen, oder auch für jegliche Art von Dienstleistung oder Lieferung? Wieso gibt es die überhaupt. Was bringt es mir, wenn sich jemand bewirbt, der eine andere Sprache spricht? Die Verständigungen sind da sicher ziemlich schwer und Missverständnisse vorprogrammiert...
Und was ist jetzt diese Inhouse-Vergabe? Unterscheidet sich die vom Ablauf von der normalen Vergabe?

#4

Johannes ,

, ÖsterreichPlatin-Status

Soweit ich weiß, kann man sich das aussuchen. Aber bin mir da auch nicht zu 100 % sicher.
Das müsstest du selbst noch in Erfahrung bringen. Online findest du aber einen Haufen an Artikel und Dokumenten, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Ist halt bisschen eine Recherchearbeit.

Diese Grenzwerte sind von Auftragsart und Branche abhängig. Das Ziel der Vergabe ist es ja, dass man das möglichst günstigste Angebot für die erforderliche Leistung bekommt. Und bei sehr großen Aufträgen kann es sich auch sehr lohnen, diese europaweit zu vergeben, weil in anderen Ländern die Kosten einfach geringer sind. Und an der Sprache hapert das ja nicht. Fast jeder kann Englisch verstehen. Und damit es keine Missverständnisse gibt, verfasst man ja die Unterlagen. Somit gibt es wenig Spielraum für Missverständnisse, die unabsichtlich passieren. Darum würde ich mir an deiner Stelle auf jeden Fall keine Sorgen machen. Wenn es so problematisch wäre, gäbe es diese Verordnungen nicht.

Der Unterschied zwischen der "normalen" Vergabe und der Inhouse-Vergabe ist der, dass der Auftrag "im Haus bleibt". D.h. man hat Kontrolle über diesen Auftragnehmer und dieser erledigt mind. 80 % aller Aufgaben in Bezug auf die Leistung. Und das muss dann logischerweise nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Klappt nur, wenn die Anforderungen dafür erfüllt sind. Da kannst du nachlesen, welche das sind.


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Johannes ,« (13.06.2019, 17:14)
#5

Rafael, München

München, DeutschlandGold-Status

Super - vielen Dank für deine Hilfe! Hast mir echt super weitergeholfen.
Wusste nicht einmal, dass diese Konstellationen möglich sind. Wichtig ist noch zu wissen, dass die Dienststelle rechtlich selbstständig sein muss. Aber das habe ich ja jetzt durch deine Hilfe herausfinden können.

MfG

33 Aufrufe | 5 Beiträge