Wir verbringen (je nach Job und Anstellungsverhältnis) circa ein Drittel des Tages am Arbeitsplatz. Das wir uns manchen Kollegen dabei mehr oder weniger annähern, ist gar nicht unwahrscheinlich. Schließlich verbringt man viel Zeit mit einander, trifft sich nach der Arbeit womöglich noch auf ein Feierabendbierchen. Und die sozialen Netzwerke und Handys lassen die Grenze zwischen Arbeit und Privat zunehmend verschwimmen. Dann werden aus Kollegen Freunde. Aber ist das immer so gut?

Per se kann man nicht sagen, dass eine Freundschaft unter Kollegen schlecht ist. In vielen Kontexten wirkt sich diese Beziehung sogar positiv auf das Arbeitsklima aus. Man findet Zuspruch, kann darüber reden, wenn einem etwas komisch vorkommt oder kann Situationen reflektieren. Wenn man mal einen schlechten Tag hat und Frust loswerden will, ist ein Freund am Arbeitsplatz ebenso Gold wert: so kann man auch mal etwas hängenlassen, ohne gleich Konsequenzen für das berufliche Image davonzutragen.

Vor allem in Berufen, in denen man sich aufeinander verlassen muss, ist Freundschaft sogar wichtig. Gabriele Bringer vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen meint dazu: "Freundschaften am Arbeitsplatz erhöhen das Vertrauen untereinander und können eine stärkende und stabilisierende Funktion haben." Wertvoll ist diese Tatsache bei Tätigkeiten im Krankenhaus und bei Polizisten und Feuerwehrleuten.

Nun aber zu den Schattenseiten. Durch die Nähe zu einem Freund kann es passieren, dass sich der ein oder andere gewissen Unverschämtheiten erlaubt. Oder man 100%ige Loyalität und Zuspruch in Situationen erwartet, wo diese nicht angebracht sind. Es könne dann das Gefühl des „in-den-Rücken-fallens“ entstehen, wenn man Gegenwind vom Freund bekommt.

Tatsächlich ist es sogar so, dass Konflikte bei Freundschaften am Arbeitsplatz meist heftiger ausfallen, als anderswo. Und die Konsequenzen können dabei verheerend sein. Schließlich wird möglicherweise das Team-Klima gestört.

Wie bei Allem zeigt sich also auch hier, dass die „Dosis“ entscheidend ist und es kein richtig oder falsch gibt. Jeder muss für sich entscheiden, was gut für ihn ist. Dabei sollten aber Konsequenzen bedacht und abgewogen werden.