Zahnarzt

Mit Zahnärzten sind gemischte Gefühle und manchmal auch Ängste verbunden, da fast jeder bereits als Patient Erfahrungen mit Schmerzen und Heilung gemacht hat. Weil dieser Zahnarzt seinen Beruf sehr schätzt, machen ihm die Hemmungen bezüglich seines Berufsstandes gelegentlich zu schaffen. Er legt dar, dass die Arbeit auch ohne Blutvergießen gut verrichtet werden kann und, dass durch eine reine Terminpraxis auch unnötiger Stress für die Patienten wegfalle. Außerdem betont er, warum er das selbständige Arbeiten für sich so ansprechend findet.

Er ist Mitte vierzig, geschieden, hat zwei Kinder und ist bereits fünfzehn Jahre als Zahnarzt tätig. Das Interview findet abends in seiner Wohnung in einem schönen Altstadtviertel statt. Während des Gesprächs sitzt sein im Teenie-Alter befindlicher Sohn unweit auf dem Sofa entfernt. Die Praxis ist circa ein Kilometer entfernt und modern eingerichtet. Im Wartezimmer der Praxis sitzen gewöhnlich nur wenige Patienten und für eine Zahnarztpraxis herrscht eine recht entspannte Atmosphäre. Läuft die Praxis schlecht oder ist sie einfach nur gut geführt?

 

Die Entscheidung, selbstständig zu arbeiten, habe ich schon sehr früh gefällt. Ich bin irgendwann von der Schule abgegangen und habe in kleineren Jobs gearbeitet. Ich habe dabei erkannt, dass ich nicht unter der Herrschaft anderer arbeiten kann. Daher musste ich mir überlegen, einen selbstständigen Beruf zu ergreifen und ging somit zurück auf die Schule. Eigentlich wollte ich Arzt werden, in der Allgemeinmedizin oder in einer Klinik, mit der Einschränkung, dass ich dort selbst arbeiten kann. Dieser Punkt war mir sehr wichtig und ich dachte mir, dass ich dies ohne große finanzielle Vorleistungen meiner Eltern machen und erreichen könne. Ich habe die Schule so abgeschlossen, dass ich Medizin studieren konnte, wenn auch aufgrund des Numerus Clausus nicht sofort. Ich habe zunächst angefangen, Mathematik zu studieren, später dann Werkstoffwissenschaften und schließlich bekam ich den Platz in der Medizin. Während der Ausbildung habe ich festgestellt, dass mir das Studium zwar großen Spaß machte, mir aber eine ganz wichtige Komponente fehlte, nämlich das Handwerkliche. Ich lernte einige Zahnmediziner kennen, die in ihren vormedizinischen Kursen saßen und ihre Metallarbeiten erledigten, was mir sehr imponierte. So habe ich während des Studiums versucht, einen Platz in der Zahnmedizin zu bekommen und wollte zunächst beides zusammen abschließen. Nachdem es dazu kam, habe ich in der Tat neben dem zahnmedizinischen Studium weiterhin Humanmedizin studiert, hatte aber irgendwann aufgrund der vielen klinischen Kurse in der Zahnmedizin keine Zeit mehr dafür. Somit ließ ich das Medizinstudium schließlich sausen, da mir die Zahnmedizin einfach besser gefiel. Auf diese Weise kam ich - etwas unverhofft - zur Zahnmedizin, von der ich aber gemerkt habe, dass sie mir großen Spaß bereitet.

Einerseits muss man als Zahnmediziner ein hohes Maß an intellektueller Arbeit leisten, hat aber andererseits als Gegengewicht den starken Fokus auf das Handwerkliche. Ich muss bei jedem Patienten eine Diagnose und eine Therapieplanung aufstellen, sodass ich in der Zahnmedizin eigentlich nie eine Situation zweimal erlebe. Jede Situation und jeder Patient ist anders. Ich muss mich also jedes Mal auf eine neue Situation einstellen, was teilweise großen Stress erzeugt, teilweise aber auch eine große Befriedigung schafft.

Aufgabenbereiche eines Zahnarztes

Ich verfolgte damals mit dem Medizinstudium das Ziel, in die Chirurgie zu gehen. Hätte ich beide Studiengänge abgeschlossen, wäre es fast schon vorprogrammiert gewesen, etwas im Bereich der Mund-/Kieferchirurgie zu machen - das war eine Aussicht, die ich zu Beginn hatte. Davon hielt mich aber letztendlich die relativ lange Facharztausbildung - das sind sechs Jahre - ab und es ist sehr schwierig, sich sechs Jahre lang durch die klinische Hierarchie zu kämpfen. Darauf hatte ich keine große Lust. Das Aufgabengebiet von niedergelassenen Chirurgen ist darüber hinaus relativ eingeschränkt, da diese meistens nur noch Weisheitszähne entfernen. Ich hingegen, als allgemeiner Zahnarzt, kann mir aussuchen, was ich mache. Darunter ist in meiner Praxis auch sehr viel Chirurgie, aber ich kann genauso gut alle Fächer der allgemeinen Zahnmedizin abdecken, das heißt die operativen Fächer, die konservativen Fächer und die kieferorthopädischen Fächer, sowie den ganzen Bereich der Prothetik. Mir war das wichtig und ich bestand darauf, mich nicht zu spezialisieren, sondern ein allgemeiner Zahnarzt zu werden.

Als allgemeiner Zahnarzt arbeitet man zunächst als Assistent, wobei man zwar in der Klinik arbeiten kann, dies aber nicht muss, sondern beispielsweise in einer freien Praxis arbeiten kann. Letzteres war das, was ich tat. Ich war relativ lange Assistent. Man braucht eigentlich nur eine zweijährige Assistenzzeit - ich habe hingegen fast sechs Jahre als Assistenzarzt gearbeitet. Diese Zeit habe ich sehr genossen. Ich habe verschiedene Behandlungsmethoden und unterschiedliche Praxen an verschiedenen Orten kennengelernt. Auf diese Weise lernte ich auch viele Leute kennen. Die Zahnärzte laufen natürlich Gefahr, durch einen Assistenzarzt ihren Ruf zu beschädigen, sodass ein Zahnarzt immer gut überlegen muss, welche Person er einstellt. Ich selbst hatte bisher zwei Assistenzärzte und stellte somit auch fest, dass ich ...

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