Taxifahrer

Dieser Taxifahrer fasste nach dem Studium den Plan, aus seinem früheren Gelegenheitsjob eine selbstständige und hauptberufliche Existenz aufzubauen. Nach Jahren des Fahrens bereut er dies allerdings: Er empfindet den Beruf als einen Knochenjob und zittert um jeden Kunden.

Das Interview findet im Auto bei sommerlichen Temperaturen vor dem Hauptbahnhof einer Großstadt statt - es hat 34°C und der Schweiß fließt an der Haut entlang. Die Verabredung musste um eine halbe Stunde aufgrund eines Taxi-Kundentermins verschoben werden. Jetzt steht der Taxifahrer in zweiter Reihe zusammen mit fünfzehn bis zwanzig anderen Taxis.

 

Ich habe mich aus der Not heraus dafür entschieden, Taxifahrer zu werden. Anfang der achtziger Jahre war die Berufssituation sehr schwierig. Ich wollte mich selbständig machen und die Möglichkeit, dies als Taxifahrer zu tun, war damals gut. Da habe ich zugegriffen. Die Konzessionen, um sich als selbständiger Taxifahrer niederzulassen zu dürfen, waren damals auf dem Markt relativ günstig zu haben. Ich habe diese Entscheidung damals nicht großartig hinterfragt - und das, obwohl ich eigentlich gar nicht gerne Auto fahre. Eigentlich ist die Entscheidung aus der Not heraus geboren, um mein Brot zu verdienen.

Mein Leben wäre sicher anders verlaufen, wenn ich nicht Taxifahrer geworden wäre. Ich studierte Geschichte und Deutsch. Ich gehöre zu einer Generation, in der nur acht bis zehn Prozent eines Jahrgangs Abitur gemacht haben und die, die studiert haben, haben sogar mit schlechten Noten noch Jobs bekommen. Aber ich habe die Zeit verbummelt. In den siebziger Jahren kamen dann die Massenuniversitäten. Dies hatte zur Folge, dass es sehr viele Absolventen gab und somit dann auch gute Noten auf dem Arbeitsmarkt gefragt waren. Mittlerweile promoviert ja sogar ein Chemiker - nur, um eine Stelle zu finden. Und weiß der Teufel, wie viele Akademiker heute im Taxi sitzen! Sie sind einfach in ihren Berufen nicht untergekommen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die verbittert sind, die sich sagen: „Meine Kommilitonen sind alle im Häuschen und warten auf die Rente", denn die sind ja auch nicht alle glücklich.

Knochenarbeit

Seit Anfang der achtziger Jahre fahre ich nun. Anfangs hatte ich noch gedacht, dass ich das nur fünf Jahre mache und mich dann nach etwas anderem umsehe, dann bin ich aber doch dort hängen geblieben. Mir geht das Autofahren auf die Nerven, ich mach das jetzt ja schon recht lange. Und es geht auch auf den Körper, denn Taxifahren ist im Prinzip eine Knochenarbeit. Viele glauben das nicht und denken, dass es ganz schön wäre, mit dem Auto in der Gegend herumzufahren, aber bei dem heutigen Verkehr und immer unter dem Druck, Geld verdienen zu müssen, ist das Schwerstarbeit. Und das, glaube ich, wissen viele nicht. Ich kann ja immerhin noch ...

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