Inhaltsverzeichnis

  1. Schulleiter

Schulleiter

Ein Schulleiter repräsentiert neben seiner vielfältigen Führungsfunktion auch die Schule nach außen. Ganz nebenbei gibt er meist noch selbst Unterricht. Dieser Schulleiter eines beruflichen Schulzentrums hat sich bewusst für die Fülle an Aufgaben entschieden, da sie ihm viel Kreativität und Freiheit biete. Er spricht von seinen Aufgabenbereichen, gesell­schaftlichen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Schule an. Des Weiteren erzählt er, warum er von den vielen neuen Medien in der Schule nicht viel hält und wie Motivation, eigenständiges Denken sowie das Erarbeiten von Lernstoff aus seiner Sicht verbessert werden könnten.

Er ist Ende fünfzig, verheiratet, hat zwei Kinder und ist seit vierzig Jahren als Lehrer tätig. Es ist die letzte Woche der Sommerferien, daher ist die Schule während des Gesprächs noch weitgehend menschenleer. Es herrscht Ruhe - nur im Sekretariat und im Lehrerzimmer herrscht bereits Hochbetrieb. Weil der Schulleiter bei allen organisatorischen Vorbe­reitungen auf das kommende Schuljahr für eine wichtige Rolle spielt, wird das Gespräch laufend von Anrufen unterbrochen.

Die Ausgangsposition für meinen Beruf war, dass ich zusammen mit Menschen etwas gestalten wollte und mir daher dies im Rahmen der Pädagogik zu tun, sehr gelegen kam. Es gibt Begabungen, die sich sehr schnell bemerkbar machen, zum Beispiel dass man, wie ich, gut kommunizieren und mit den Menschen ein Einvernehmen herstellen kann. Ich denke, dass der Schulbetrieb sehr gut dazu geeignet ist, sich ohne materielle Absichten selbst zu verwirklichen und anderen bei der Zielfindung behilflich zu sein. Dieser Gedanke hat mich während meines Studiums bereits dazu veranlasst, den Schwerpunkt in den Bereich der Pädagogik zu legen. Dass ich jetzt innerhalb der Schule eine Position gewählt habe, die mit dem ursprünglichen Lehrerberuf nichts zu tun hat, hängt mit meinem starken Gestaltungswillen zusammen. Ich möchte dadurch die Bedingungen, unter denen Lernen in der Schule stattfindet, so gestalten, dass die Menschen sich bei ihrer Arbeit frei fühlen und das Gefühl von Verantwortung und Mitwirkung gefördert wird.

Dies passt zu meiner Vorstellung von einem Leben mit anderen, bei der ich die Menschen mit einbeziehe, Austausch unter ihnen stattfindet, ich sie versuche wahrzunehmen und nicht zuletzt mich selbst dabei spiegle und verändere. Ich versuche, meine Arbeit als einen dynamischen Prozess zu gestalten und nicht einfach nur auf meiner Position zu verharren, sondern für Veränderungen bereit zu sein. Ich werde nicht nur älter, sondern mache tägliche neue Erfahrungen, die ich in meine Arbeit mit einbringen und durch die ich das ganze System verändern kann. Diese Möglichkeit war für mich ein wichtiger Grund Schulleiter zu werden. Mit dieser Funktion sind selbstverständlich gewisse Freiheitsgrade verbunden, was meinen Wünschen entspricht. Ich brauche diese Freiheitsgrade, weil ich mich selbst ver­wirklichen möchte. Meine Tätigkeit als Schulleiter erfahre ich als eine sehr freudvolle Arbeit, die mich seelisch nicht belastet, die mich glauben lässt, dass sie am besten zu mir passt und die ich manchmal sogar als etwas zu einfach empfinde. Das kommt wohl daher, weil sie genau meinen Fähigkeiten entspricht: Dinge und Menschen beobachten, Kreativität bei der Arbeit zeigen, Sachverhalte auf den Punkt bringen und andere Menschen motivieren. Ich bin freundlich, habe Ausstrahlung und kann Kritik vertragen, obwohl ich daran sicher noch arbeiten kann.

Aufgaben der Schulleitung

Eine wichtige Aufgabe der Schulleitung ist es, die für eine Schule not­wendige Atmosphäre zu schaffen. Die Stimmung in der Schule soll so beschaffen sei, dass die Kinder froh sind dort zu sein und das Gefühl haben, dass Gerechtigkeit herrscht und auch, dass die Lehrer sich wohlfühlen und geachtet werden. Der Schulleiter erhebt dabei nicht den Finger, sondern ist ein Kollege, der die Verantwortung für das Klima übernimmt und die anderen Kollegen dabei entlastet. Bei Schülern und Lehrern soll das Gefühl entstehen, dass der Schulleiter sie versteht und sich schützend vor sie stellt. Auf diese Weise entsteht eine positive Energie, die dem schulischen Rahmen zu Gute kommt.

Der Schulleiter übernimmt die Verantwortung, für ein Kollegium nach außen hin die formale Sicherheit zu schaffen, das heißt sich gegenüber den Schulaufsichtsbehörden schützend vor die Kollegen zu stellen. Darüber hinaus soll er die Kollegen auch vor Angriffen seitens der Eltern und der Schüler schützen und die Entscheidungen seiner Kollegen, sofern sie begründbar sind, vertreten. Der Schulleiter repräsentiert den institutionellen Rahmen, welcher das freiheitliche pädagogische Wirken der Lehrer zulässt. Er muss dafür sorgen, dass die Lehrer in seiner Schule den Grad an Freiheit behalten, den sie benötigen, um ihren Beruf kreativ und verantwortungs­bewusst zu gestalten. Die zweite Funktion des Schulleiters ist, mit den Kollegen zusammen auf ein Klima hinzuarbeiten, das die Freude an der Arbeit ermöglicht. Er muss den Rahmen schaffen, in dem Motivation für die pädagogische Arbeit entsteht. Die dritte Funktion ist, Schule als eine Institution in der Öffentlichkeit darzustellen, um damit das Ansehen des Lehrerberufs wie auch das der Institution Schule zu garantieren. Er sollte dieses durch Innovationen, Öffentlichkeitsarbeit und Gespräche mit den Eltern sicherstellen. Eine vierte Funktion ist, gegenüber den übergeordneten Institutionen diejenigen Dinge anzubringen, die in der Schule als störend, hinderlich und beklemmend wahrgenommen werden.

Lehrer

Lehrer müssen wissen, dass sie eine besondere Aufgabe als Vorbild haben und sich dieser immer bewusst sein. Ein Lehrer ist ein Mensch, der andere Menschen positiv anregt. Im Verlauf der Berufstätigkeit eines Lehrers treten des Öfteren gewisse Ermüdungserscheinungen auf, weil viele erfahren mussten, dass sie das meiste von dem, was sie realisieren wollten, nicht realisieren konnten. Hinzu kommt, dass sie bei der Ausübung ihres Berufes stets sehr viel und autonom entscheiden müssen und dadurch eine Ver­änderung ihrer selbst erfahren - man spricht hierbei vom „Lehrer­syndrom". Diese Veränderung erschwert letztendlich die Kooperation mit der eigenen Familie, den Kollegen und sogar die Bereitschaft, für neue Ideen offen zu sein. Denn ein Lehrer muss permanent entscheiden, sogar für den Schüler, und er muss in fünfundvierzig Minuten bestimmte Ziele realisieren, für die er verantwortlich ist.

Man nehme einen praktizierenden Zahnarzt mit eigener Praxis und zwinge ihn, in einem Krankenhaus in einem Team mit anderen Ärzten zu­sammenzuarbeiten. Man kann sich ausrechnen, welche Schwierigkeiten auftreten würden. Sie haben immer alleine gearbeitet und können sich gar nicht vorstellen, dass man in einem Team beispielsweise Personalfragen gemeinsam organisieren muss. Das ist ein Beispiel, das vergleichbar ist mit dem typischen Lehrerphänomen und das uns in unserem Berufsfeld immer wieder behindert. Die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit von Lehrern nimmt durch die einseitigen Anforderungen an den Lehrer im Unterricht mit der Zeit gewöhnlich ab.

Ein großes Thema bei Lehrern ist das Burnout-Syndrom, welches ...

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