Schönheitssalonbesitzerin

Diese Besitzerin eines Schönheitssalons hat sich von klein auf ihr mittlerweile gut laufendes Geschäft aufgebaut. Indem sie in einer Branche, die an Wettbewerbern nur so strotzt, eine Nische ausfüllt. Ihre Arbeit richtet sich einerseits an Menschen, die nach einer schweren Krankheit eine kosmetische Wiederherstellung benötigen, andererseits aber auch an betuchtere Personenkreise, die sich beispielsweise beim Anti-Aging Hilfe ersuchen, um ihre jugendliche Frische so lange wie möglich erhalten zu können. Aus ihrer Sicht keinesfalls ein verwerflicher Gedanke, denn „auch ein Auto würde bei kleinen Kratzern oder Beulen in die Werkstatt gebracht". Allerdings erwarteten die Menschen oftmals zu viel von der Kosmetik und kämen erst dann, wenn nur noch aufwendige kosmetische Eingriffe weiterhelfen.

Die Salonbesitzerin ist Anfang fünfzig, geschieden, hat zwei Kinder und arbeitet in dieser Tätigkeit seit zwölf Jahren. Gesprächsort ist das geschmackvoll eingerichtete Vorzimmer eines in zentraler Lage gelegenen Salons. Die örtliche Nähe einerseits zur Einkaufspassage und andererseits zu Kliniken spiegelt die Geschäftsfelder Schönheit und Medizin wider. Das Gespräch findet bei einem Glas Rooibos-Tee, auf schönen Rattansesseln sitzend, statt.

 

Von meiner Grundausbildung her bin ich eigentlich chirurgische Krankenschwester, habe diesen Beruf aber nur in jungen Jahren ausgeübt. Ich heiratete, bekam zwei Kinder und habe danach gewissermaßen spielerisch, ohne viel Vorzubereiten ein eigenes Nagelstudio eröffnet. Viele Leute konnten sich nicht vorstellen, wie man mit einem Nagelstudio Geld verdienen könne und lachten daher zunächst über meine Arbeit. Aber glücklicherweise war ich sehr erfolgreich, da ich in meinem Ort die einzige auf diesem Gebiet war. Zur gleichen Zeit, im Jahr 1987, machte ich eine Ausbildung zur Heilpraktikerin, die ich auch abschloss. Durch diese Ausbildung bekam ich von Gesetzes wegen die Erlaubnis, auch selbständig im medizinischen Bereich arbeiten zu dürfen.

In der Folgezeit ließ ich mich von meinem Mann scheiden und arbeitete dann halbtags wieder als Krankenschwester in einer chirurgischen Klinik. Dies war eine sehr harte Schule und die Umstände dort glichen denen eines Lazaretts, wenngleich ich Glück hatte und mich der dortige Chefarzt nach einiger Zeit auf eine chirurgische Privatstation versetzte. In der gesamten Zeit führte ich aber mein Nagelstudio weiter, sodass ich morgens um fünf Uhr aufstand und um sechs Uhr in der Klinik zu arbeiten begann. Mittags ging ich nach Hause, versorgte meine Kinder und fuhr nachmittags ins Nagelstudio.

Permanent-Makeups

Es war zu dieser Zeit, als ich erstmals die Arbeit mit Permanent-Makeups kennenlernte. Obwohl ich sehr angetan war, wollte ich aber zunächst nicht in diesen Bereich einsteigen, weil die Arbeit mit den Maschinen noch sehr schwer war und die Kunden nicht immer mit den Resultaten zufrieden waren. Irgendwann lernte ich zwei Frauen kennen, die damals schon mit Permanent-Makeups arbeiteten, worauf ich das einigen meiner Kunden vorstellte. Die Arbeit dieser zwei Frauen schlug ein wie eine Bombe und es verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Ort, dass es bei mir Permanent-Makeups gab. Immer wenn diese beiden Frauen zu mir kamen, veranstaltete ich regelmäßig bei mir eine Art Festakt und bewirtete meine Kunden zusätzlich. Ich habe oft kleinere Fehler beim Makeup meiner Kunden entdeckt und die beiden Frauen stets dazu angehalten, bestimmte Dinge zu korrigieren. Daraufhin fragten sie mich, warum ich nicht selber diese Arbeit ausüben würde, da ich sehr geschickt darin sei. Dafür hatte ich aber zu dieser Zeit kein Geld, da ich nach meiner Scheidung auf alles verzichtete und als Krankenschwester nicht viel verdiente. Es war sogar so, dass ich im Geschäft noch einige Modeartikel mit aufnahm, um über die Runden zu kommen.

In der Folgezeit kam eine Frau zu mir, der mein Geschäft sehr gut gefiel und die sich erkundigte, ob sie nicht bei mir einsteigen könne, da sie demnächst eine größere Summe von ihrer Versicherung erwarte. Allerdings war ich zunächst dagegen, weil ich nicht glaubte, dass die Arbeit für zwei Personen reichen würde. Daraufhin bot sie mir an, meinen Laden zu kaufen. Das wiederum fand ich eine sehr interessante Idee, da ich selbst im Ort den Aufbau eines anderen Ladens ins Visier genommen hatte und mir auf diese Weise die Schulung im Bereich des Permanent-Makeups leisten könnte, welche sehr teuer war. So kam es letztendlich auch. Ich fuhr mit ihr ge­meinsam auf eine Messe und begutachtete die Maschinen und die Angebote zur Ausbildung aus dem Bereich des Permanent-Makeups. Diese Arbeit gefiel mir auch deswegen, weil sie mir ein bisschen „klinisch" erschien und ich eigentlich immer in einer Art „klinischem" Beruf arbeiten wollte. Ich habe ein geschicktes Händchen für medizinische Arbeiten, nicht zuletzt aufgrund meiner Ausbildung. Darüber hinaus habe ich eine künstlerische Ader - schon meine Mutter arbeitete als Grafikerin - und mir gefiel die Vorstellung, an den Gesichtern von Menschen zu arbeiten und ihnen einen anderen Ausdruck zu verschaffen.

Daher entschloss ich mich, mein Geschäft an jene Frau zu verkaufen und mit dem Geld die Schulung und den Aufbau eines neuen Geschäftes zu bezahlen. Für meine Kunden war ich kein Neuling auf dem Gebiet, da ja die Permanent-Makeups schon früher in meinem alten Laden angeboten wurden. Sie fragten immer wieder nach neuen Angeboten, sodass, nachdem meine Schulung beendet war und ich mein neues Geschäft eröffnet hatte, bereits Kunden auf mich warteten. Dies war im Jahr 1993. Zwischenzeitlich hatte ich meinen Job in der Klinik aufgegeben. Dort befürchteten meine Kollegen bereits früh, dass ich nach der Eröffnung meines eigenen Ladens nicht mehr als Krankenschwester arbeiten würde - und sie sollten Recht behalten. Da die Kunden in meinem Heimatort schon auf die Eröffnung des Ladens war­teten, konnte ich sofort mit der Arbeit an den Permanent-Makeups beginnen und hatte schon nach kurzer Zeit meine Investitionen wieder finanziert. Ich hatte ein geschicktes Händchen, weil ich es bereits gewohnt war mit Patienten zu arbeiten. Für mich war die Arbeit am Menschen nichts Frem­des, während jemand anders unter Umständen erst einmal lernen müsste, die Kunden richtig anzufassen, sie zu desinfizieren und Gespräche mit ihnen zu führen. Da ich hingegen all diese Kenntnisse schon besaß, kon­nte ich viele Kurse abkürzen und meine Ausbildung schnellstmöglich abschließen.

Klinische Bereiche in der Schönheitsbehandlung

Im Folgenden habe ich weitere Schulungen im klinischen Bereich absolviert, weil ich mir längerfristig die Chance offen halten wollte, wieder in die Klinik zurückzukehren. Eine dieser Schulungen war im Bereich der Rekonstruktion von Brustwarzen. Bevor ich zu dieser Schulung fuhr, hatte ich bereits schon in meinem Laden Erfahrung mit dem Pigmentieren einer Lippen- beziehungsweise Hasenscharte. Das Ergebnis dieser Arbeit war su­per und ich bekam später in den Kursen, die nicht selten 1.000 Euro pro Tag kosten, große Anerkennung. Die Kursleiter hatten oft selbst nicht einmal die gleiche Expertise und ließen ihre Schüler in der Regel nur am Leder üben.

Weil ich also Begabung und Erfolge vorweisen konnte, fragte ich einige Zeit später an eine Brustkrebsambulanz nach, wo man mir sagte, dass man schon viel von mir gehört hätte und versicherte mir, dass ich selbstverständlich für die Klinik arbeiten könnte, sobald die bürokratischen Hindernisse über­wunden wären. Der Weg dorthin war kein leichter, da meine Arbeit zum einen von den Professoren genehmigt werden musste und ich zum anderen in der Klinik nicht werben durfte. Daher habe ich für die Krebspatienten Mappen und Prospekte angelegt, damit sie sich von meiner Arbeit ein Bild machen konnten. Sie wurden in der Klinik hinterlegt und die Patienten nach der Behandlung zu mir geschickt. Ich arbeitete eine längere Zeit für diese Klinik und habe mittlerweile eine etwa 45qm große Praxis. In dieser arbeitete ich eine Zeit lang mit meiner Tochter zusammen, die aber später ausgestiegen ist, weil sie etwas anderes machen wollte, und somit nicht in meine Fußstapfen treten konnte.

Durch die Klinik lernte ich eine Ärztin kennen, die mich einlud, mit ihr zusammen auf ein Unterspritzungsseminar zu gehen. Die Ausbildung wurde von einer Schönheitschirurgin geleitet und ich war die einzige Teilnehmerin an diesem Seminar, die selbst nicht Ärztin war. Dort übten wir an einem Spanferkel Falten glatt zu spritzen und als ich die Spritze nahm und damit arbeitete, war die Leiterin sehr über meine gute Technik verwundert - ich auch, denn ich tat dies ja zum ersten Mal, wenngleich mir wohl meine Ausbildung zur chirurgischen Krankenschwester dabei half. Somit bot ich danach in meinem Geschäft auch Unterspritzung an.

Durch die Arbeit in der Klinik habe ich eine Dame aus einem Perücken­studio kennengelernt, die mir vorschlug, zu kooperieren. Daher habe ich mich halsüberkopf für eine weitere Veränderung in meinem Leben entschieden, was aufgrund meines Alters nicht ganz einfach war.

Schließlich zur ganzheitlichen Behandlung

Dadurch, dass ich die Patienten in meinem Geschäft nicht zuletzt wegen meiner neuen Arbeit im Bereich der Unterspritzung nun unter der Lupe liegen hatte, sah ich, dass die Haut der Kunden oftmals sehr schlecht war. Ich bot also meinen Kunden an, zunächst einmal die Haut zu reinigen und erst danach die Unterspritzung durchzuführen, damit das Ergebnis besser würde. Nun bin ich aber leider keine Kosmetikerin und hatte darauf auch gar keine Lust, weil ich für diesen Bereich nicht so gut geeignet bin. Daher suchte ich nach einer Kosmetikerin, die mich in meinem Laden unterstützt und sprach gleichzeitig mit befreundeten Ärzten, die mir empfahlen, die Haut zum Beispiel mit Ultraschall vorzubereiten, was dann wiederum ich selbst anwenden konnte. Weil es bei mir im Laden gut lief und mir die Ban­ken dadurch wohlgesonnen waren, informierte ich mich also auf einer Messe nach geeigneten Geräten. Dort führte ein italienischer Hersteller ein Gerät vor, welches über Schwungwelle und Ultraschall verfügte und sich für Anti-Aging-Programme eignete. Dieses Gerät hat mich zwar sofort begeistert und ich leaste es, da es in der Anschaffung sehr teuer gewesen wäre.

Auf diese Weise ergibt meine Behandlung ein einheitliches Bild: Die bei mir angestellte Kosmetikerin bereitet meine Patienten auf die Unterspritzung vor oder nach, ich übernehme den Rest. Schließlich war ich in der Kosmetik­branche angekommen.

Patienten

Meine Patienten setzen sich eher aus einer gut verdienenden Mittelschicht zusammen, da meine Arbeit ...

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