Physiotherapeutin

In der Krankengymnastik wird im wahrsten Sinne des Wortes „am" Menschen gearbeitet. Diese selbständige Physiotherapeutin erzählt von dem Verhältnis zu Ärzten, Verdienstmöglichkeiten, den Grenzen der Behand¬lungsmöglichkeiten, der Selbstverantwortung von Patienten und den An¬forderungen, die dieser Job mit sich bringt. Der Beruf macht ihr nicht zuletzt wegen der mannigfaltigen Entwicklungsmöglichkeiten und der täglichen Erfahrung, Menschen durch den eigenen Beruf glücklicher machen zu können, insgesamt Spaß. Es scheint, als habe sie ihren Wunschberuf gefunden, nachdem Sie im Anschluss an ihr Abitur das Berufsleben zuallererst im Theater begann.

Sie ist Anfang vierzig, ledig ohne Kinder. Ihr zierlicher Körperbau deutet auf den ersten Blick nicht auf einen Beruf hin, der auch hin- und wieder ein kräftiges Anpacken bei beispielsweise Massagen erfordert.

 

Nach dem Abitur habe ich zunächst etwas ganz anderes gemacht, nämlich drei Jahre lang beim Theater gearbeitet. Mit der Zeit erkannte ich, dass ich eher etwas Bodenständigeres lernen wollte. Etwas, das Hand und Fuß hat und bei dem ich weiterhin mit Menschen zu tun habe. Ich wollte allerdings nicht studieren, da mir dabei ein Abschluss zu weit in der Ferne lag, denn schließlich hatte ich bereits drei Jahre lang gearbeitet. Ich suchte also eine pragmatische Tätigkeit, für die ich nicht studieren musste. Ich interessierte mich für Krankengymnastik und Logopädie und habe daher schon bald in einer Praxis für Krankengymnastik hospitiert und darüber hinaus mit einer Logopädin gesprochen. Ich wollte ganz sicher gehen, eine Ausbildung anzufangen, bei der ich nicht erst wieder später merkte, dass es doch nicht das Richtige für mich ist. So jobbte ich in zwei Krankengymnastikpraxen und konnte mich mit den Inhabern gut über das Berufsbild unterhalten. Mir wurde relativ schnell klar, dass mir die Logopädie zu sehr auf Sprache beschränkt erschien und mir Krankengymnastik deshalb eher zusagte, da ich schon immer gerne Sport betrieb und mich allgemein für Medizin interessiere. Weil die Ausbildung darüber hinaus überschaubare drei Jahre dauerte, entschied ich mich für diesen Beruf.

Es ist sehr schwierig, eine Ausbildungsstelle im Bereich der Kran­kengymnastik zu bekommen, weil die Schulen dafür relativ spärlich gesät sind. Da ich aber zuvor bereits drei Jahre als Regieassistentin beim Theater gearbeitet hatte, bekam ich die Ausbildung als Umschulung bezahlt und konnte letztendlich in einer Privatschule unterkommen. Für die staatlichen Schulen wäre ich in ein Losverfahren gekommen und hätte unter Umständen sehr lange auf einen Ausbildungsplatz warten müssen. Das Gute an dieser Ausbildung ist, dass sie sehr gebündelt ist. Leider ist sie deshalb aber auch sehr anstrengend. Ich war von acht Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags in der Schule und musste sehr viel für die Ausbildung lernen. Niemand, der sie absolviert hat, möchte das nochmal tun. Aber das Lernen fiel mir leicht und schon nach einem halben Jahr konnte ich im Krankenhaus an Patienten arbeiten. Das ist nur in Deutschland möglich, denn in vielen anderen Ländern macht man die Ausbildung an der Universität und diese dauert dann sogar ein Jahr länger. Die Tatsache, dass ich schon nach einem halben Jahr ins Krankenhaus kam, war für mich eine relativ gute Verbindung zwischen Theorie und Praxis.

Praktika und Angestellte

Nach dem Examen, welches ich nach zwei Jahren absolvierte, musste ich ein einjähriges Praktikum absolvieren. Dieses Praktikum teilt sich in einen neurologischen und einen orthopädischen Bereich auf. Somit verbrachte ich ein halbes Jahr in einer Kopfklinik, welches den neurologischen Teil darstellte, und das andere halbe Jahr in einer Rehabilitationsklinik für Patienten, die operiert wurden. In diesen Einrichtungen arbeitete ich wie jeder andere Angestellte auch, das aber zu einem Praktikantengehalt. Hinzu kam der Praktikantenunterricht, der das Praktikum begleitete. Man kann also sagen, dass ich bereits nach zwei Jahren voll und ganz im Berufsfeld angekommen war, was ich sehr schön fand.

Nach dem Abschluss musste ich mir überlegen, in welchem Bereich ich zukünftig arbeiten wolle, denn es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten. Ich musste mich zunächst fragen, ob ich eher in den orthopädischen, den neurologischen oder in den Kinderbereich wollte. Damals war ich noch sehr an letzterem interessiert und bin in eine andere Stadt gegangen, um dort in einer Praxis, genauer gesagt einem frühkindlich-orientiertem Zentrum, zu arbeiten. Diese Tätigkeit, die man interdisziplinäre Arbeit nennt, hat mir sehr gefallen. Es arbeiten zwei Kinderärzte, ein Kinderpsychologe sowie Kin­derergotherapeuten, Kinderlogopäden und Krankengymnasten in einem Team zusammen. Ich wurde von der damaligen Chefin des Zentrums angesprochen, ob ich an einer Stelle Interesse hätte und da dies der Fall war, blieb ich dort für anderthalb Jahre. Das Problem bei dieser Stelle war jedoch, dass ich die für Therapeuten interessanten Fälle nicht bekam, sondern nur Arbeiten im Bereich des Kinderturnens und der Haltungsschule erledigte. Für die interessanten Fälle benötigt man nämlich eine Fachausbildung, für die es aber nur sehr begrenzte Plätze gibt und für die man nachweisen muss, dass man bereits eine bestimmte Zeit mit Kindern gearbeitet hat.

Zusätzlich habe ich gemerkt, dass die Arbeit mit Kindern nicht so einfach ist, wie ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte und mir wurde klar, dass ...

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