Benediktinermönch

Das Leben als Mönch gehört sicher zu den Berufen, welche den größten Einschnitt im privaten Leben bedeuten und somit eher eine Berufung als einen Beruf verlangen. Dieser Mönch kann zwar bestätigen, dass es sich zumindest dabei nicht um ein Gerücht handelt, aber er betont, dass auch Mönche nicht im 13. Jahrhundert stehen geblieben sind. Freizeitbeschäftigung als Teil der persönlichen Suche nach Gott sowie der Musik- und Filmgenuss gehören ebenfalls zum Leben eines Mönches dazu. Dennoch setzt der rigorose Tagesablauf in einem Kloster klare Grenzen, die aber für einen Mönch aus Berufung nicht als Last, sondern als Selbstverständlichkeit verstanden werden.

Nach dem Durchschreiten der alten Klosteranlage einer Benedektiner-Abtei, die in friedlicher Grünlage auf einer Erhebung sitzt, von der aus viel schöne Natur zu sehen ist, ist vor dem Beginn erst einmal die Anmeldung am Empfang notwendig, um für das vereinbarte Interview in das Kloster gelassen zu werden. Die Tür wird geöffnet und das Gespräch findet in einem 12qm großen Raum statt. An der Wand hängt ein Bild der heiligen Mutter. Ansonsten ist der Raum mit einem Holztisch und Holzstühlen auf das Wesentliche begrenzt. Er strahlt Ruhe aus. Der Pater erscheint im schwarzen Hängegewand, die Hände bleiben während des Gesprächs vorwiegend unter dem Gewand, auf Bauchhöhe zusammengelegt. Da für ihn am gleichen Tag noch viele Termine anstehen, fängt das Interview gleich an.

Ich war zweiundzwanzig, als ich noch einmal von vorne begonnen habe, also nach der Bundeswehrzeit, das war eine sehr lange Ausbildungsphase. Ich musste das Abitur nachholen und habe dann das Studium begonnen, als ich schon im Orden war, da war ich Ende zwanzig. Ich bin also nach der Bundeswehrzeit noch einmal zur Schule gegangen. Während dieser Zeit habe ich immer wieder verschiedene Besuche gemacht, in Klöstern und in anderen kirchlichen Einrichtungen, um mir genau zu überlegen, was der eigentliche, wir sagen von Gott intendierte Auftrag ist, sodass es hoffentlich nicht nur meine, sondern auch eine Entscheidung ist, die Gott an mich herangetragen hat. Es sind natürlich auch ganz nüchterne Kriterien ausschlaggebend, warum man in einen Orden geht und nicht in ein Priester­seminar. Ich denke, dass meine Berufung darin liegt, zuzuhören und mich in eine Gemeinschaft einzufügen und das wiederum hat dann zu der Ordensberufung geführt. So bin ich nicht Priester geworden, um eine Gemeinde zu leiten, sondern in eine Gemeinschaft gegangen. Inzwischen bin ich aber auch ein Stück weit Gemeindeleiter, also auch Pfarrer, das ergänzt sich ganz gut. Man prüft sich selbst. Ich hatte damals zum Beispiel einen Horror gehabt vor Jugendarbeit. Inzwischen bin ich sogar auch Pfadfinder­führer, aber ich meinte damals, dass das nicht dasjenige ist, für das ich Gaben habe. Dieses Urteil habe ich aber inzwischen revidiert. Es werden da dann auch manchmal Dinge an einen heran getragen, die man nicht gesucht hat, aber man spürt, dass man doch die Kraft hat, auch an sich zu arbeiten und dies schließlich zu aktivieren.

Obwohl man Beruf und Berufung nicht unbedingt voneinander trennen kann, würde ich rein gewichtsmäßig von einer Berufung sprechen, zumal ich vorher einen Beruf hatte. Ich hatte zunächst einmal einen Lehrberuf, ich war Augenoptiker, hatte dann aber eine Berufung gespürt und habe daher noch einmal umgesattelt und den priesterlichen Dienst angefangen. Ich würde eher von einem Dienst als von einem Beruf im Sinne des Broterwerbs sprechen. Ein Dienst für die Menschen und für die Kirche. Ich kann mich gut erinnern, dass ich als Augenoptiker oft Schwierigkeiten hatte, aus dem Bett zu kommen, da die Motivation eine ganz andere war. Da ging es vor allen Dingen darum, dass ich eine existenzielle Sicherung brauchte und Geld verdienen musste. Es hat mir auch als Augenoptiker Freude gemacht, aber das war dennoch eine ganz andere Motivation. Als Priester weiß ich, dass Menschen mich in einer anderen Weise brauchen, als der Augenoptiker gebraucht wird. Von daher hat sich schon etwas verändert.

Das schwarze Gewand

In der Schule trage ich nicht mehr das schwarze Gewand. Ich habe es versucht, habe dieses Gewand in der ersten Zeit meines Unterrichts getragen, an einer Hauptschule. Aber das war nicht praktisch, da man mit Kreide arbeitete und das schwarze Gewand dann nicht mehr schwarz war. Außerdem hatten die Schüler viel Freude daran, in die Kapuze Dinge zu werfen, die nicht unbedingt mit meinem Ordensberuf zusammenhängen (schmunzelt). Die Hauptsache war schon eher die Distanz, dass schwarze Kleidung, im Übrigen nicht nur bei Kindern, Distanz schafft. Von daher muss man sehr genau überlegen, wann man dieses Zeichen unserer mönchischen Existenz trägt und wann nicht. Ich sage immer: Wenn ich dadurch fürchten muss, Privilegien einzubüßen, dann lass ich es weg, wenn ich damit aber Leute provoziere, dann ist es gut, dann sollte ich es lassen. Wenn die Menschen dadurch in irgendeiner Weise zu Fragen oder zu Unmutsbekundungen angeregt werden, dann trage ich es gern, weil dadurch Gespräche zu Stande kommen, die durch ein neutrales Gewand unmöglich oder nicht so leicht möglich wären. Wobei, ich habe oft bemerkt, dass auch ein Verzicht auf das schwarze Gewand noch lange nicht bedeutet, dass die Leute mich nicht als Mönch erkennen. Selbst, wenn sie mich nicht persönlich kennen, haben doch viele Menschen ein Gespür dafür, dass ich eine andere Existenz führe. Ich kann nicht sagen woran, aber sie merken es. Vielleicht ist es die Mode, meine Schüler sagen immer, ich wäre sehr altmodisch gekleidet. Vielleicht ist das das entscheidende Moment, also wonach ich meine Kleidung aussuche.

Wenn ich zu den Pfadfindern gehe, dann geht es mir mehr um spirituelle Aspekte. Ich gehe nicht unbedingt dorthin, um Fußball zu spielen oder zu zelten oder etwas in der Art, sondern ich komme als Priester. So nehmen sie mich dort wahr, da sie mich ja kennen. Ich bin dort quasi der geistige Part. Das Zelten war sogar ein Horror für mich, das war ...

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