Bierkneipenwirt

Der Interviewte arbeitet seit vier Jahren mit seiner Frau als selbstständiger Kneipenwirt. Er beschreibt die zwei Seiten seiner Tätigkeit, zum einen die Freiheit selbstständig zu arbeiten, sein eigener Chef zu sein, doch an¬dererseits auch die Herausforderungen, denen er sich in der Gastronomie Branche stellen muss: Steigende Preise, immer höhere laufende Kosten und nicht zuletzt eine 90-Stunden Woche.

Der Kneipenwirt ist Mitte vierzig. Das Gespräch findet nachmittags in einer kleinen Eckkneipe eines überschaubaren Einkaufszentrums statt. Die Tür ist meist offen und Hauptaufenthalt der Gäste ist in der Regel der Tresen. Wir sitzen an einem der Tische. Zu dieser Zeit herrscht nur wenig Betrieb.

 

Ich musste irgendetwas tun, um Geld zu verdienen, deshalb habe ich es zusammen mit meiner Frau in der Gastronomie versucht. Ich habe vorher als Heizungsmonteur gearbeitet. Ich habe damals einfach keine Zukunft mehr in meinem Beruf gesehen, denn das Handwerk ist auch nicht mehr das, was es mal war. Die Bauberufe sind schwierige und körperlich belastende Berufe, man muss wissen, ob man diese Arbeit noch fünfundzwanzig bis dreißig Jahre durchhalten kann. Die meisten Handwerker sind kaputt: das Kreuz, die Knie. Früher hat man sich noch bis zur Rente durchgeschleppt, aber heute sieht das anders aus.

Wir hatten erst ein Vereinsheim gastronomisch betreut, sozusagen zur Probe, da gab es keinen Ganztagesbetrieb. Vereine sind eine schwierige An­gelegenheit, denn jeder will da mitreden, dauernd wird ein neues Vor­standsmitglied gewählt und die wollen dann auch wieder mitreden. Daraufhin haben wir uns als Pächter woanders beworben. Wir haben uns auch bei den Kleingärtnern beworben. Die hatten achtzig Bewerbungen und wir waren sogar unter den ersten acht - letztendlich haben wir es aber nicht geschafft. Wir wollten auch nicht hundertprozentig, es hat einfach nicht richtig gepasst. Aber dadurch, dass wir unter den ersten acht waren, wurden wir gefragt, ob wir weiterempfohlen werden dürften. Und auf einmal kamen diverse Vertreter und haben uns Verträge angeboten. Ich habe gefragt, weshalb sie mir das anbieten würden, woraufhin die mir geantwortet haben: „Wenn Sie da unter den ersten acht waren, kriegen Sie bei mir jede Kneipe." Zu der jetzigen Kneipe sind wir also durch Zufall gekommen und mittlerweile sind wir jetzt vier Jahre dabei. Vor uns haben die Besitzer alle sechs bis zwölf Monaten gewechselt.

Worauf es ankommt

Viele denken ja, „mach ich halt mal 'ne Kneipe auf". Klar, man ist sein eigener Chef, es ist keiner mehr da, der einem etwas zu sagen hat, aber viele haben gedacht, dass das, was in der Kasse ist, ihr verdientes Geld ist. Das ist das Hauptproblem. Ich bin jetzt Geschäftsmann oder Geschäftsfrau, dann wird ein großes Auto bestellt und das lassen sie alles über die Firma laufen, ohne erst mal zu gucken. Die Kneipe ist nun mal keine Goldgrube, sondern ein harter Job. Wenn man einigermaßen überleben will, muss man achtzig bis neunzig Stunden die Woche arbeiten, ohne Urlaub. Wir waren seit zwei Jahren nicht mehr im Urlaub. Es ist nicht so, dass man sagt, jetzt spiele ich mal ein bisschen Chef, nehme mir hundert Euro aus der Kasse und stelle zwei Leute ein, die für mich die Arbeit machen.

Ich komme zurecht, wenngleich es ständig eine riesige Herausforderung ist. Jeder versucht andauernd, einem Steine in den Weg zu legen. Irgendwann sagt man dann: „Ich hab keine Lust mehr". Das sind alles so Sachen. Man ist kein großer Konzern, man haftet für alles selbst und hat wenig Puffer. Dann kommt das ganze Theater mit der GEMA oder generell Übertragungsrechte. Zum Beispiel, wenn man bestimmte Fußballspiele öffentlich zeigen möchte. Das sind Posten, die sprengen jeden Rahmen. Alleine die kosten mich dreihundertfünfzig Euro. Das kriege ich nie wieder rein. Es ist ja nicht nur Strom, Wasser, Miete, da kommt noch einiges dazu, das sind alles Kosten. Für die heutige Zeit sind das viel zu hohe Kosten. Dann kommt noch die Handelskammer, die Berufsgenossenschaft und was weiß ich noch dazu. Das schluckt viel Geld. Ich spüre wiederum selbst, dass auch die Kunden weniger Geld haben.

Man muss ein gewisses Konzept haben, wie man die Kneipe führen möchte und wenn es funktioniert, muss man ...

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