Hausfrau und Unternehmerin

Diese Hausfrau hat neben ihrem Vollzeit-Job, der Erziehung ihrer Kinder, zugleich stets ihrem Ehemann bei der Buchhaltung seiner Firma geholfen und darüber hinaus selbst ein kleines Gewerbe mit einer eigenen, patentierten Erfindung gegründet. Inspiriert durch ein stinkendes Kirschkern-Kissen suchte sie Zutaten für neuartige Kissen und hat mittlerweile sowohl in Deutschland, als auch in Amerika einen Absatzmarkt gefunden. Sie erzählt hier von Ihrer Ausbildung, der Arbeit im Unternehmen ihres Mannes und über ihr eigenes Gewerbes. Speziell geht sie noch auf interkulturelle Unterschiede beim Vertrieb Ihrer Produkte ein.

Sie ist Mitte vierzig, verheiratet und hat fünf Kinder. Das Gespräch findet bei ihr Zuhause statt. In der Wohnung ist kaum zu übersehen, dass ihr Mann Schreiner ist, da alles, was aus Holz gefertigt werden kann, dort selbst ge­schreinert wurde: Tisch, Stühle, Einbauschränke, Küche etc.

Ich besuchte das Gymnasium als ich in der Schule einen Zettel an der Pinnwand entdeckte, auf dem stand, dass man an einer bestimmten Privatschule mit Mittlerer Reife eine Ausbildung bekommen könnte, die einen gleichzeitig zur Medizinisch Technischen Angestellten (MTA) und Arzthelferin qualifiziere. Ich war in der elften Klasse als ich mich dort bewarb. Bei mir zu Hause war es sehr stressig, weil meine Eltern sich nur stritten und ich wollte daher einfach nur raus. Diese Privatschule hat mich nach einer Aufnahmeprüfung tatsächlich genommen, woraufhin ich meinen Wohnort dorthin verlegte. Während meiner Ausbildung absolvierte ich im Krankenhaus Nachtschichten, da ich Geld brauchte. Meine Eltern fi­nanzierten mir zwar die Schule, aber für alle übrigen Ausgaben war ich allein verantwortlich. Nach meiner Ausbildung fand ich in der Nähe der Stadt, in der sich auch die Privatschule befand, eine Anstellung bei einem Psychiater, bei welchem ich eineinhalb Jahre arbeitete.

In dieser Zeit lernte ich meinen Mann kennen, welcher zufällig auch aus meiner Heimatstadt kommt. Wir heirateten, ich gab meine Stelle beim Psychiater auf und wir zogen zurück in unsere gemeinsame Heimatstadt. Ich arbeitete daraufhin ein weiteres Jahr bei einem Allgemeinarzt. Es war nämlich damals, im Jahr 1982, schwierig, als MTA eine Stelle zu bekommen. Ich hatte zu dieser Zeit neben diesem Job sogar noch einen anderen bei einem Hauspflegeverein, da mein Mann Medizin studierte und ich ihn finanziell unterstützen musste, weil auch er von seinen Eltern kein Geld erwarten konnte. Als meine Tochter im Juli 1983 geboren wurde, hörte ich auf zu arbeiten.

Meine Arbeit als Arzthelferin war sehr interessant. Als ich noch beim Psychiater arbeitete, bereitete ich mit dem Arzt zusammen Gruppentherapien vor und wollte, bevor ich meinen Mann kennenlernte, Kurse besuchen, um später selber Psychotherapie anbieten zu können. Das hat sich aber später durch die Heirat und das Kinderkriegen zerschlagen. Bereits vierzehn Monate nach meinem ersten Kind bekam ich ein zweites Kind, unseren Sohn, und zwei Jahre später wiederum Zwillinge, sodass ich innerhalb von vier Jahren vier Kinder bekam. Dies war die härteste Zeit meines Lebens. Selbst Nachtschichten zu arbeiten ist wesentlich leichter als vier kleine Kinder großzuziehen und sie eben nicht den ganzen Tag in die Kinder­tagesstätte (KiTa) oder sonst wohin abzugeben. Das kostet viel Nerven und Geduld, ich bin jedoch stets gerne Mutter und das Großziehen meiner Kinder war gleichzeitig meine beste Zeit. Dass aus meinen Kindern heute wirklich etwas geworden ist, liegt sicher auch daran, dass ich zu Hause stets für sie da war und mich wirklich für sie eingesetzt habe.

Familie und Firma

Ich denke, jede Mutter muss für sich selber entscheiden, ob sie ihre Kinder in die KiTa geben möchte oder nicht. Für mich kam das nicht in Frage, weil ich denke, dass, wenn man sich wirklich bemüht und man sich um sie kümmert, sie dann bei der Mutter besser aufgehoben sind. Meine Kinder bekommen von mir eine ganz andere Ansprache. Dennoch ist es für mich als Mutter auf jeden Fall anstrengender zu Hause zu bleiben, da es sich um eine Art 24-Stunden-Job handelt. Daher denke ich, dass, wenn eine Frau zu Hause bei ihren Kindern nicht glücklich ist, es besser ist, wenn sie ihre Kinder in die KiTa gibt. Manche Frauen haben finanziell auch gar keine andere Möglichkeit, haben aber dennoch gerne Kinder und diesen Wunsch sollte man einer Frau auch nicht verwehren. Es ist wirklich schön, Mutter zu sein. Viele Mütter haben aber auch sehr schwere Entscheidungen zu treffen: Auf der einen Seite ist der Wunsch da, die ersten drei Jahre bei ihrem Kind zu bleiben, haben aber auf der anderen Seite einen super Job, der ihnen viel Wert ist. Es dann auch nicht erstaunlich, wenn Kinder gezwungenermaßen in die KiTa gegeben werden.

Nachdem mein Mann fertig studiert hatte, war er kaum noch zu Hause und hat mich mit den Problemen dort alleine gelassen. Irgendwann war die Ehe unerträglich und ich ließ mich scheiden. Eineinhalb Jahre danach habe ich meinen jetzigen Mann kennengelernt, der mich mit vier Kindern heiratete und natürlich auch gerne ein eigenes Kind wollte. So ergab es sich, dass ich ein Jahr nachdem wir 1992 heirateten, mein fünftes Kind bekam. Mein jetziger Mann ist Schreiner und machte sich im Jahr 1995 selbstständig. Ich konnte mir zu der Zeit eigentlich noch nicht vorstellen, wieder in einen Beruf einzusteigen, da meine Kinder noch sehr jung waren. Aber mein Mann wollte nicht, dass jemand anders in seiner Firma die Buchhaltung und Lohnabrechnung erledigt, damit wir beide stets einen Überblick über das haben, was in der Firma abläuft. Er wollte diese Arbeiten nicht von außer­halb durchführen lassen. Daraufhin habe ich mich breitschlagen lassen und es zunächst probiert, unter der Vereinbarung, dass ich aufhören könne, wenn ich damit nicht klarkomme. Es hat aber letztendlich ganz gut funktioniert und es stellte sich sogar heraus, dass es für mich ausreichte, nur einen Vormittag in der Woche für die Firma zu arbeiten. Diese Arbeit umfasst die komplette Buchhaltung, das Rechnungswesen und das Bezahlen der Liefer­anten, sowie die Monatsabschlüsse und die Meldungen an das Finanzamt. Ich hatte vor dieser Arbeit keine kaufmännische Erfahrung, wobei mir aber zugutekam, dass ich schon immer unglaublich gerne Mathematik gemacht habe. Mir ist das schon in der Schule immer sehr leicht gefallen, sodass mir die Arbeit mit Zahlen kein Stress bereitete. Die Umstellung war zwar schwer, aber inzwischen mache ich die Tätigkeit relativ gerne, obwohl ich es mir früher nie vorstellen konnte, so eine trockene Sache zu machen.

In der Zeit, in der ich vormittags in der Firma arbeitete, hatte ich für meinen kleinen Jungen eine Tagesmutter engagiert, zu der er an einem Tag in der Woche ging. Sie hatte ebenfalls einen kleinen Jungen im gleichen Alter, sodass er sich dort sehr wohl fühlte. Als er später in den Kindergarten kam, hatte sich dieses Problem sowieso erledigt; allerdings war er auch dort nur vormittags. Ich fand es nämlich wichtig, dass wir nachmittags als Familie zusammen sind und etwas gemeinsam unternehmen können.

Meine eigene Erfindung

Wir hatten fünf Kinder und mein Ex-Mann zahlte relativ wenig Unterhalt, sodass dieses Geld für die Kinder, die ja von ihm sind, vorne und hinten nicht reichte. In der Firma meines neuen Mannes musste darüber hinaus viel aufgebaut werden. Wir mussten viel investieren, konnten aber wenig aus der Firma heraus nehmen. Irgendwann war mir klar, dass ich etwas tun musste, um unsere finanzielle Situation zu verbessern. Einer unserer Nachbarn brachte mir damals ein Kirschkernkissen und sagte, ich solle es in die Mikrowelle tun, es sei großartig - und das war es auch. Nur hat mir aber die Form und das, was darin als Inhaltsstoffe enthalten war, nicht gefallen und, da ich eigentlich immer schon recht gut nähen konnte, dachte ich mir, dass

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