Gymnasiallehrerin

Diese Gymnasiallehrerin arbeitet an einer Gesamtschule und hat auf diese Weise einen Überblick über die unterschiedlichen Ausprägungen der verschiedenen Schulformen gewinnen können und legt hier dar, dass sie froh sei, eine Stelle an einem Gymnasium zu haben. Ihr macht die Arbeit eine Menge Spaß, was nicht zuletzt darin begründet ist, dass sie schon als Kind Lehrerin werden wollte und von ihren Eltern, die ebenfalls beide in diesem Beruf arbeiten, vorgeprägt wurde.

Sie arbeitet bereits seit fünf Jahren als Lehrerin, ist Anfang dreißig, ledig und hat eine neun-Monate junge Tochter, die während des Gesprächs in der eigenen Wohnung immer wieder und unermüdlich Aufmerksamkeit von ihrer Mutter ergattern möchte.

 

Ich wollte bereits Lehrerin werden bevor ich in den Kindergarten kam und habe schon damals mit meinen Puppen und Bärchen Schule „gespielt". Ich habe diesen Wunsch nie verworfen, was vielleicht auch daran lag, dass meine beiden Elternteile ebenfalls Lehrer sind. Sie haben des Öfteren beim Mittagessen ganz lustige Geschichten aus der Schule erzählt, was mein Interesse verstärkte. Ich bin zudem gerne in die Schule gegangen, hatte dort aber ziemliche Probleme mit meinen Klassenkameraden.

Ich habe die Tatsache, dass meine Eltern selbst beide Lehrer sind, überwiegend positiv erlebt, weil meine Eltern, soweit ich das beurteilen kann, zu der Art Lehrer gehören, die durch ihren Beruf mit zunehmendem Alter nicht frustriert sind und immer noch Spaß an der Arbeit haben. Ich fand es immer schön, wenn sie mir von den Geschichten aus ihrem Schulalltag erzählten. Ich denke durchaus, dass meine Eltern ausschlag­gebend für meine Berufswahl waren und es hat mir sehr geholfen, dass ich nicht mit besonders unrealistischen Vorstellungen an den Job herangetreten bin. Ich sehe bei Praktikanten und Referendaren immer wieder, dass sie mit der Vorstellung in den Beruf kommen, alles anders machen zu können. Sie glauben, dass die Schüler immer Spaß bei der Sache haben könnten und stets das machen, was man ihnen sagt. Viele zerbrechen mit der Zeit an dieser Vorstellung, denn in der Realität sitzen vor mir als Lehrerin dreißig Leute, denen ich es niemals allen zugleich recht machen kann. Das geht nirgendwo - und erst recht nicht in der Schule.

Nachdem ich Mutter wurde, arbeite ich nun nur noch einen halben Tag. Ich habe, wie meine Mutter, einen freien Tag in der Woche, sodass die Kinder an diesem Tag versorgt sind. An allen anderen Tagen sind sie in der Kinder­krippe. Ich glaube, dass mein Beruf der beste Beruf für all diejenigen ist, die alleinerziehend sind.

Grenzen setzen

Was die Unterrichtsgestaltung angeht, so habe ich mich von Beginn an, an der Unterrichtsgestaltung derjenigen Lehrer aus meiner Schulzeit orientiert, die ich selbst am besten fand. Ich habe zudem das Glück, dass ich schon während meines Referendariats meine Eltern um Rat bitten konnte, was mir sehr geholfen hat. Anfangs hatte ich beispielsweise überhaupt keine Ahnung, mit welchen Mitteln ich einen Schüler bei nicht akzeptablem Benehmen am besten bestrafen sollte.

Ich bemühe mich, die Schüler immer ernst zu nehmen und behandle sie daher, wann immer es geht nicht herablassend als Schüler, sondern als Person, die mir gleichwertig gegenüber steht. Ich kann manchmal zwar sehr streng sein, versuche aber so oft es geht die Zügel loszulassen. Dies ist in der Regel eine Gratwanderung zwischen beiden Extremen. Ich musste aber die Rolle der strengen Lehrerin anfangs erst erlernen. Weil ich mich noch sehr gut an meine eigene Schulzeit erinnere, war mir schnell bewusst, dass ich genauso wie die meisten Kinder während des Unterrichts Unfug getrieben hätte, hätte ich keine Grenzen gesetzt bekommen.

Dennoch habe ich mich im ersten Jahr meines Referendariats hin und wieder dazu verleiten lassen, irgendeinen Unfug der Kinder mitzumachen. Dies aber sollte ein Lehrer niemals tun und nicht zuletzt mögen es die Schüler eigentlich auch gar nicht! Sie fordern, dass ich die Lehrerrolle übernehme. Ich musste in meinem ersten Jahr lernen, dass...

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