Grundschullehrerin

Als angehender Lehrer gilt es, sich grundsätzlich zu entscheiden, welche Schulform und damit auch welche Schüler später für einen das geeignete Arbeitsumfeld sind. Der Beruf der Grundschullehrerin kann durch die Arbeit mit Kindern Erfüllung bringen, birgt jedoch auch viele pädagogische Herausforderungen mit sich. Diese Grundschullehrerin hat sich an der pädagogischen Hochschule für das Studienfach Grund- und Hauptschule entschieden und sammelte sowohl an der Grundschule wie auch an der Hauptschule Berufserfahrung, über die sie hier berichtet. Sie ist mit ihrem Beruf völlig zufrieden, obwohl sie lange benötigte, um sich dauerhaft auf diesen Beruf einzulassen. Probleme im Schulalltag aufgrund verändernder Jugendkultur, interkultureller Herausforderungen und allgemeiner Belastungen, die der Beruf mit sich bringt, können sie nun aber nicht mehr von ihrer Freude am Beruf abbringen.

Sie ist Ende Mitte dreißig, ledig und hat zwei Kinder, die teils bei ihr und teils bei Ihrem früheren Partner, der Realschullehrer ist, wohnen. Zusammen mit dem Referendariat arbeitet sie seit neun Jahren als Lehrerin.

 

Meine Entscheidung, als Grundschullehrerin zu arbeiten, reifte nur langsam. So war ich mir bis zum Ende des Referendariats nicht zu einhundert Prozent sicher, ob dies der richtige Beruf für mich sei. Mit zweiundzwanzig Jahren habe ich diese Richtung schließlich eingeschlagen, weil ich eines sicher wusste: Ich möchte mit Kindern arbeiten. Ich habe mich schon immer gut mit Kindern verstanden und fühlte, dass dies mein Talent ist. Seit ich zwölf bin hatte ich mit kleinen Kindern zu tun, da meine Brüder erst auf die Welt kamen, als ich zwölf und vierzehn Jahre alt war. Ich war für sie eine Art Ersatzmutter und gewöhnte mich schon sehr früh ans Babysittern. Dies war dann auch während meines gesamten Studiums meine Nebenbeschäftigung, um Geld zu verdienen. Ich empfand dies stets als eine sehr tolle Arbeit, weil Kinder das Leben unglaublich bereichern können. So kam es auch, dass ich mein erstes Studium der Volkswirtschaftslehre abbrach, weil ich merkte, dass es nicht das Richtige für mich ist. Schließlich wechselte ich an die pädagogische Hochschule ins Fachgebiet der Grund- und Hauptschule, war aber auch zu dieser Zeit noch unsicher, weil ich auch mit diesem Studium zunächst unzufrieden war. Das hängt aber mit meiner Persönlichkeit zusammen, da ich ein recht unsicherer Typ war und noch nicht mit beiden Beinen im Leben stand. Nicht nur mein berufliches, auch mein privates Leben war zu dieser Zeit ziemlich chaotisch und ich war kurz davor, durch Alkohol und psychische Probleme ein wenig in die falsche Richtung abzudriften. Diese Probleme „strahlten" in mein Studium hinein.

Unverhofft wurde ich dann aber schwanger, was mein Leben extrem veränderte. Ab diesem Moment wusste ich, dass sich etwas bei mir ändern sollte, ich nach vorne schauen und Verantwortung übernehmen muss. Ich habe dadurch einen richtigen Schub bekommen, mein Studium beendet und wurde kurz danach, mit 27 Jahren, erneut schwanger. Ich pausierte durch die neue Mutterschaft zunächst ein Jahr und begann dann erst mein Referendariat. Dieses Referendariat war schon anstrengend, vor allem weil ich zwei Kinder hatte und mein damaliger Lebensgefährte, der Vater meiner Kinder, ebenfalls Lehrer an einer Realschule ist und sich zu der Zeit noch in den Prüfungsphasen befand. Wir hatten in dieser Zeit viel zu tun und es war anstrengend, aber ich habe viel für mich und mein Leben gelernt. Ich habe gelernt, mich Problemen zu stellen und mit ihnen umzugehen, denn während des Referendariats stand ich ständig unter Beobachtung. Zum einen werde ich durch die Kinder, zum anderen aber auch die Lehrbeauftragten und den Schulleiter beobachtet und beurteilt. Alles wird von ihnen zerpflückt, darunter die Sprache, also wie man sich ausdrückt, auch die Mimik. Ich fand diese Zeit gleichzeitig besonders interessant, da ich eher eine Art „Bühnenmensch" bin und gerne vor anderen Leuten stehe und mich präsentiere. Mit der Zeit bin ich auch immer besser geworden und merkte, wie ich in meine Aufgabe hineinwuchs. Trotzdem wusste ich gegen Ende des Referendariats noch immer nicht, ob ich den Beruf wirklich ergreifen sollte, da ich, die ich unter starker Selbstkritik stand, glaubte, noch nicht weit genug zu sein.

Zum Glück hatte ich einen recht guten Abschluss, sodass ich direkt nach dem Referendariat eingestellt wurde. Und das sogar direkt in meiner Heimatstadt, was für mich ein regelrechter Glücksfall war und ist. Die Schule, an die ich kam, war für mich wie ein Sechser im Lotto, da die Rahmenbedingungen und die Zusammensetzung der Kinder optimal sind. Es gibt Kinder aus sehr reichen, aber auch aus sehr armen Elternhäusern, und diese bunte Mischung ist sehr reizvoll. Die Schule verfügt über große, helle Klassenzimmer und an jedes ist ein Gruppenraum und ein eigenes Höfchen mit Garten angegliedert. Das Kollegium ist ein sehr nettes und ich wuchs vom ersten Tag an in diese Schule hinein. In dem Moment, als ich dort zunächst für eine Zeit lang als Krankheitsvertretung angestellt wurde, wusste ich letztendlich erst sicher, dass ich auch wirklich Lehrerin werden will. Ich blühte dort auf und fühlte mich vom ersten Tag an in diesem Gebäude und unter den Kollegen heimisch, hatte also meine pädagogische Heimat gefunden. Das ist bis heute so geblieben.

Aufgaben an der Grundschule

Man sagt, dass der Beruf eines Grundschullehrers einer der schönsten ist, weil sich kein Tag im Voraus planen lässt, unglaublich viel passiert. Das ist das Schöne am Arbeiten mit Kindern und selbst, wenn es mir als Person mal schlecht geht und ich vielleicht zu Hause Probleme jeglicher Art habe, bin ich, sobald ich die Schwelle der Schule übertrete, in einer ganz anderen Welt. Die Kinder kommen mit strahlenden Augen auf mich zu und grüßen mich - da pocht das Leben! Die Kinder strahlen eine besonders hohe Agilität, Kraft und Freude aus und haben teilweise einen enormen Lernwillen. Ich muss dort nicht viel motivieren, weil sie zu einem großen Teil von selbst motiviert sind. Das ist ein Unterschied zur Hauptschule, an der ich viel mehr Motivationsarbeit zu leisten habe, weil viele Kinder dort einfach lernfaul sind.

Die Schere unter den Schülern in Bezug auf den sozialen Status und die Intelligenz geht natürlich weit auseinander. Dennoch ist es so, dass jedes Kind seine eigenen Fähigkeiten hat, das heißt auch das Kind, welches später unter Umständen eine Hauptschulempfehlung bekommen wird. Das Gute an der Grundschule ist, dass man...

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