Flugbegleiterin

Der Beruf der Flugbegleiterin/des Flugbegleiters ist heutzutage kein Traumberuf mehr, fasziniert aber noch immer viele junge Frauen und bleibt ein beliebter Wunschberuf. Man komme viel in der Welt herum und habe einen exklusiven Arbeitsplatz, sind häufige Begründungen dafür. Diese Flugbegleiterin erzählt von Vorurteilen und auch von der Realität. Sie gibt ausführliche Einblicke in die Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Herausforderungen des Berufs. Weil bei so viel Arbeit mit Menschen im Mit­einander viel passieren kann, kommt in den Ausführungen auch das soziale Leben an Bord (und auf dem Boden) nicht zu kurz.

Sie ist Anfang dreißig, ledig und hatte vor ein paar Jahren Ihre Arbeit als Flugbegleiterin zugunsten einer Ausbildung zur Reisekauffrau unterbrochen. Seit dem Wiedereinstieg arbeitet sie nun in Teilzeit (dreiviertel Stelle), der ihr viel Raum zur Gestaltung ihrer Freizeit lässt.

Für meinen Beruf als Flugbegleiterin habe ich mich nicht bewusst entschieden. Ich begann nach dem Abitur zunächst mit einem Jurastudium, welches ich fünf Semester lang ausübte, aber bemerkte, dass dieses Studium überhaupt nicht mein Ding ist. Ich wechselte in den Bereich des Dolmetschen und Übersetzens und nach weiteren zwei Semestern verwarf ich auch dieses Studium und stellte letztendlich fest, dass das Studieren überhaupt nichts für mich ist. Zu dieser Zeit entdeckte eine Kommilitonin die Anzeige einer großen Fluggesellschaft und schlug vor, dass wir uns beide dort bewerben könnten - das war im Jahr 1999. Bevor wir uns persönlich vorstellen konnten, mussten wir an einem telefonischen Interview teilnehmen, bei dem wir etwas über uns erzählen und uns zwecks eines Sprachtests auch auf Englisch unterhalten sollten. Offenbar hatte man bei der Firma Gefallen an meiner Bewerbung gefunden und lud mich recht bald zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch ein.

Dies fand zusammen mit mehreren Bewerbern statt. Das Hauptaugenmerk lag auf psychologischen Einzelgesprächen, in denen eigentlich die gleichen Fragen gestellt wurden wie im telefonischen Gespräch. Es kommt darauf an, dass man weltoffen ist, gut mit anderen Menschen umgehen und im Team arbeiten kann. Ein Pluspunkt ist, wenn man neben Englisch eine weitere Fremdsprache beherrscht; allerdings ist das nicht unbedingt erforderlich. Ich beherrsche zusätzlich Italienisch, da mein Vater Italiener ist, und Niederländisch, da ich diese Sprache zwei Semester lang an der Universität studiert habe. Neben den psychologischen Gesprächen musste ich in Gruppenarbeit mit anderen eine Bastelarbeit erledigen, was sich zwar recht bescheuert anhört, weil man mit Schere und Buntstiften arbeiten musste. Die Psychologen verfolgten jedoch damit das Ziel, die eigene Fähigkeit zur Teamarbeit zu testen. Sie achteten einerseits darauf, dass man sich genügend in die Gruppe einbringt, andererseits aber auch darauf, dass man das Team nicht zu sehr anführt. Des Weiteren musste ich einige Multiple-Choice-Tests absolvieren und einen Deutschtest, der meine Rechtschreibfähigkeit überprüfen sollte. Selbstverständlich wird bei einem solchen persönlichen Bewerbungsgespräch auch auf das Auftreten des Bewerbers geachtet, wes­halb man sich stets um einen positiven Gesamteindruck bemühen sollte.

Kurz darauf erhielt ich einen Brief und man teilte mir mit, dass sie sich sehr freuten, wenn ich am nächsten Flugbegleiter-Lehrgang teilnehmen würde. Darüber freute ich mich und bestätigte die Zusage ohne genauer darüber nachzudenken, was das für mich bedeuten könne. Auf diese Weise kam ich ohne große Anstrengungen und quasi zufällig zu meinem jetzigen Arbeit­geber. Mein Plan war, mein Studium entweder nebenher fortzuführen oder aber eine Pause einzulegen und später weiter zu studieren.

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