Fahrlehrer

Jeder deutsche Führerscheininhaber hatte automatisch einmal Kontakt mit einer Fahrschule. Auch später bleiben Fahrschulen in unserem Blickfeld. So sehen wir regelmäßig Fahrschulwagen, die mitunter langsam vor uns herfahren oder den Verkehr etwas behindern. Aber wie nehmen Fahrlehrer den Verkehr und das Fahrverhalten anderer Verkehrsteilnehmer wahr? Wie ist es, als Fahrlehrer meist junge Menschen auf den Führerschein vorzubereiten und wie macht man sich dabei einen guten Ruf? Wo liegen die Vorteile und Belastungen dieses Berufs?

Dieser Fahrlehrer besitzt eine eigene Fahrschule, ist Mitte sechzig, verheiratet und hat zwei Kinder. Er arbeitet in diesem Beruf bereits seit vierzig Jahren und bildet alle Führerscheinklassen aus. Das Gespräch findet in den Räumlichkeiten der Fahrschule statt, wo sonst abends Fahrschüler sitzen und vom Fahrlehrer im Theorieunterricht auf gesetzliche Vorschriften des Straßenverkehrs vorbereitet werden.

 

Ich habe 1962 die Prüfung zum Fahrlehrer gemacht. Mein Vater hatte früher auch eine Fahrschule, die auch schon seit 1932 besteht. Mein Vater hat mich irgendwann gefragt, ob ich nicht die Fahrlehrerprüfung machen möchte, damit ich ihm in der Freizeit aushelfen könnte. Daraufhin habe ich die Prüfung gemacht und habe ihm geholfen. Es wurde dann immer mehr, weshalb ich meinen Beruf, ich war Speditionskaufmann und Wirtschafts­treuhandgehilfe, an den Nagel gehängt habe und ganz in die Fahrschule eingestiegen bin. Mit den Jahren habe ich einige Fahrlehrerscheine gemacht. Es gibt mehrere Fahrlehrerscheine für die verschiedenen Führerschein­klassen. Das fängt mit den Mofa- und Motorradführerscheinen an, geht dann über den Pkw- und LKW-Führerschein bis hin zum Omnibus-Führerschein. Es gibt die Klasse A1 die ist auf 125 Kubik begrenzt, dann gibt es die Klasse A die auf 34 PS für zwei Jahre begrenzt ist und dann gibt es noch die große Klasse A, das ist schon enorm. Seit einiger Zeit kommt noch die Klasse BE (für PKW und Anhänger) dazu, da braucht man auch noch einen Anhänger im Fuhrpark.

Wir bieten auch noch den ASP-Kurs an, das ist ein Aufbauseminar für auffällig gewordene Kraftfahrer. Je nachdem wie der Punktestand ist kriegen sie Rabatt, sodass sie die Punkte abbauen können. Bei vierzehn Punkten wird der Fahrer allerdings von der Führerscheinstelle aufgefordert den Kurs zu belegen, dann ohne Rabatt. Außerdem bieten wir noch ein Aufbauseminar für Fahranfänger an. Heute bekommen Fahranfänger den Führerschein erst für zwei Jahre auf Probe, wird der Fahranfänger in dieser Zeit auffällig, muss er zur Nachschulung, und seine Probezeit verlängert sich nochmals um zwei Jahre. Das ist ein unheimlich großer Aufwand. Wir bemühen uns alles anzubieten, was es rundum den Führerschein noch alles gibt.

Unser Fuhrpark ist recht groß, denn ich habe noch einen festangestellten Mitarbeiter und eine Aushilfe fürs Wochenende. Wir haben somit zwei kleinere Fahrzeuge mit Schaltung und einen BMW mit Automatik, aber auch noch einen Polo mit Automatik und circa vier bis fünf Motorräder  beziehungsweise Mofas. Wenn Kunden kommen und einen Führerschein machen wollen, dann können wir schlecht sagen, das geht nicht, weil wir das Fahrzeug nicht haben! Für die Lastwagen Ausbildung leihen wir uns aber  den LKW. Das ist kein Problem. Da leiht man sich den für die Stunde bei einer speziellen Firma, die einige Fahrschul-LKWs mit Anhänger zur Verfügung stellt. Für die anderen LKW Klassen in denen wir ausbilden, zum Beispiel für das Technische Hilfswerk oder die Feuerwehr, fahren wir auch mit den eigenen Fahrzeugen dieser Organisationen.

Arbeitsaufwand & Belastungen

Meistens fängt man morgens mit den LKW-Fahrern an - im Sommer um sieben, sonst um acht. Wir sind dann den ganzen Tag unterwegs. Bei den Fahrlehrern ist die tägliche Arbeitszeit aber vorgeschrieben, wir dürfen nicht mehr als 495 Minuten pro Tag praktischen Unterricht geben, das sind umgerechnet ungefähr elf Fahrstunden. Eine Fahrstunde beträgt in etwa 45 Minuten. Dabei ist es wichtig, ganz präzise Nachweise zu führen. Alle Fahrlehrer sind stark überwacht, da gibt es nichts was nicht kontrolliert wird.

Es kommen dann noch die Nachtfahrten dazu. Im Sommer ist das Wahnsinn, man kann sich ausrechnen, wann es im Sommer dunkel wird: Da kann man eventuell erst ab halb elf Uhr nachts anfangen zu schulen! Ich kann ja nicht am Tag mit Beleuchtung fahren, obwohl man das ja neuerdings tut, und sagen, dass das nun die Nachtfahrt war. Da ist man manchmal bis null Uhr unterwegs und muss morgens wieder früh raus. Wir geben darüber hinaus noch viermal in der Woche Theorieunterricht. Hier montags und donnerstags und in unserer zweiten Filiale dienstags und mittwochs...

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