Entwicklungsingenieur (Elektrotechnik)

Nach Arbeitsverhältnissen im Vertrieb und Qualitätsmanagement fand dieser Elektroingenieur seinen Traumberuf nun in der Entwicklung von Haushalts­geräten. Entgegen der Tatsache, dass Ingenieure oft als Stuben­hocker oder Eigenbrötler betrachtet werden, erzählt er hier, dass diese Eigenschaften auch dort äußert hinderlich wären. Neben der Beschreibung seiner ersten Jobs beschreibt er die Arbeit und Besonderheiten in der Ent­wicklung von Geräten, die millionenfach gefertigt und verkauft werden.

Er ist Anfang vierzig, ledig ohne Kinder und arbeitet seit acht Jahren in der Entwicklung. Die Begeisterung, die er durch seinen Job empfindet, ist während des Gesprächs deutlich spürbar.

Zu meinem Beruf bin ich eigentlich durch Zufall gekommen. Ich studierte Elektrotechnik mit der Vertiefungsrichtung Beleuchtungstechnik und habe auch lange in diesem Bereich gearbeitet, aber nicht in der Entwicklung, weil sich das nicht ergab. Ich war eine längere Zeit im Vertrieb tätig, zuletzt bei einer kleineren Firma, die sich auf Straßenbeleuchtung spezialisiert hat. Ich habe dort Projekte akquiriert, Lichtplanung vorgenommen, Marketing­material hergestellt, Kundengespräche und -schulungen durchgeführt. Unsere Kunden waren hauptsächlich Stadtwerke.

Nach ein paar Jahren wusste ich aber wie dort der Hase läuft und ich hatte eigentlich auch ganz gute Umsätze gemacht und neue Gebiete erschlossen. Der Job war daraufhin nicht wirklich stressig oder mit bedeutenden Heraus­forderungen verbunden. Im Bereich Straßenbeleuchtung ist es so, dass Abnehmer an bestimmte Marken gebunden sind. Das heißt, Kunden entwickeln nur zögerlich Vertrauen, wenn man etwas Neues einführen will. Es ist aber schön, wenn man eine Stadt von neuen Lampen überzeugen und damit die Schleusen für neue Produkte öffnen kann, damit sie nicht überall die gleichen Lampen einsetzen. Da hatte ich mit meiner Arbeit Erfolg und bekam dies auch von meiner Firma rückgemeldet. Ich habe in diesem Beruf etwa fünf Jahre gearbeitet, wollte dann aber in eine größere Firma wechseln, da mir jene einfach zu klein war.

Automobilindustrie

So kam ich in die Automobilbranche, zu einer italienischen Firma, und war dort in der Qualitätssicherung von Beleuchtungsequipment tätig. Das war eine sehr interessante Arbeit, weil ich mit großen Firmen zusammen­arbeitete. Ich betreute zwei süddeutsche Automobilhersteller und es war immer sehr interessant mit den Kunden zu arbeiten oder mit ihnen essen zu gehen. Auch das dortige Arbeitsumfeld gefiel mir gut, da ich Menschen aus allen Abteilungen, vom Verkauf bis zum Sachbearbeiter, kennenlernte. Anderseits war es eine sehr anstrengende Tätigkeit, weil ich ständig hunderte Mails beantworten musste, welche verschiedene Fragen aus teilweise völlig verschiedenen Richtungen enthielten, von denen ich nur jene in Bezug auf Fragen zur Qualität beantworten konnte. Da der Beruf dort sehr stressig war, arbeiteten in der Firma nur junge Leute - bis zu vierzehn oder sechzehn Stunden am Tag. Oft ging aber auch der private Bereich in den beruflichen über, da ich mit den Leuten nach Feierabend noch etwas unternahm und der Umgang untereinander war recht familiär. Viel Zeit für andere Privataktivitäten gab es aber nicht. Manchmal rief mein Kunde am Freitagabend wegen eines Problems an, für das sie bis Sonntagvormittag eine Lösung bräuchten. Oder aber ich musste von meiner Firma aus am Freitagabend spontan nach Italien fliegen, um irgendein Problem zu klären.

Die Arbeit hat mir mit der Zeit zu viel Ärger gemacht, weil es ständig Qualitätsprobleme gab und ich deshalb einen riesigen Stress bekam. Bei Qualitätsproblemen in der Automobilindustrie geht es immer um viel Geld, weil Produktionsausfälle teuer sind. In der Automobilbranche geht es stets um große Summen - um viele Millionen Euro, für die ich aber nicht alleine verantwortlich, sondern vielmehr nur ein Glied einer Kette bin. In einem Fall stand einer unserer LKWs mit einer Lampenlieferung im Stau und dafür zahlten wir pro Stunde Ausfällbeträge. Bei diesem Stau haben wir sogar Hubschrauber organisiert, damit unser Kunde weiterproduzieren konnte. Speziell für solche Aktionen gibt es Unternehmen. Sie organisieren alles für den Auftraggeber, wenn man nur dafür zahlt. So etwas kostet circa 1.000 Euro pro Stunde, allerdings kümmern sie sich wirklich um alles, sogar um die Fluggenehmigungen, was immer ein großer Aufwand ist. In dieser Pauschale sind natürlich auch alle sonstigen Kosten enthalten, darunter das Benzin und die Bezahlung des Piloten.

Die Italiener hatten bei der Produktion viel falsch gemacht, aber gleichzeitig viel Galgenhumor, was die ganze Sache erträglicher machte und wir lachten daher dennoch viel. LKW-Frontgläsern müssen beispielsweise in einem Ofen langsam aufgeheizt eine Zeit lang in der Zieltemperatur gehalten werden, um danach wieder abzukühlen. Dieser Vorgang erhärtet die Scheiben, sodass sie mechanisch stabil sind. Nun hatten sie aber Liefer­probleme und verkürzten aus Zeitgründen diesen Prozess, um die Stückzahl zu halten. Diese Lieferung wurde von Deutschland nach Mexiko gebracht und nach der Überfahrt dort gewaschen, um danach in die LKWs verbaut zu werden. In der Lösung war ein relativ aggressives Waschmittel, um wirklich jeden Schmutz zu entfernen, und nachdem sie damit alle LKW komplett, also einschließlich der Scheinwerfer, gewaschen hatten, bekamen auf einmal alle Frontgläser der Scheinwerfer Risse. Dadurch wurden sofort 2.000 LKW unverkäuflich - das war ein Riesentheater. Letztendlich wurden sie in Mexiko durch Kollegen vor Ort ausgetauscht, obwohl sie selbst genug Stress hatten und der Fall sie eigentlich gar nichts anging. Alles andere hätte aber viel zu lange gedauert.

Einst bekamen wir zwei Autos von einem Kunden mit dem Auftrag, sie zu Schrott zu fahren, nur, um einen Fehler zu finden. Das Problem war, dass die Lichtmaschinen dieser Autos im Winter bei Schnee ausfielen und dies betraf alle diese Autos der ersten Produktionsreihe. Auf einer Teststrecke sollten wir den Fehler finden und wurden zunächst in die Gefahren eingewiesen. An jedem Ende der Teststrecke stand ein Krankenwagen, der jederzeit zu uns kommen konnte, wenn etwas passiert. Das war eine geile Sache, weil wir wie wild gefahren sind und dabei auch das ein oder andere Teil verloren haben. Letztendlich haben wir ...

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