Unter meinen Kunden finden sich fast alle Teile der Bevölkerung, von fünfjährigen Kindern bis hin zu 40-jährigen Erwachsenen. Ich habe aber nur wenige Kunden, die älter als 40 Jahre sind. Es gibt 60-80-Jährige, die sogar noch nie einen Döner gegessen haben.

Von einigen Stammkunden weiß ich genau, an welchen Tagen sie kommen und was sie essen und wie sie es zubereitet haben wollen. So ist es bei einem Besitzer eines Tiergeschäfts, der jeden Samstag um viertel nach zwei zu mir kommt, nachdem er sein Geschäft geschlossen hat, um drei große Döner für seine Familie zu kaufen. Manchmal bereite ich diese Döner schon vorher zu, sodass sie bereits fertig sind, weil ich weiß, dass der Kunde im nächsten Augenblick kommen wird. Ich weiß, dass der Mann seinen Döner gerne mit viel Zwiebeln und scharf mag, die Frau ohne Zwiebeln, dafür aber mit mehr Soße und das Kind ausschließlich mehr Salatsoße möchte. Es gibt andere Kunden, wie z.B. ein Koch, der immer nur abends zu mir kommt, zwei Bier trinkt und ab und an eine Pizza mit Salami isst.

Es gibt einige Kunden, die ich vermissen würde, wenn sie nicht mehr kämen, weil ich mich daran gewöhnt habe, sie jeden Tag oder alle zwei Tage zu sehen. Ich unterhalte mich mit vielen von ihnen über ihre täglichen Aktivitäten und einige fragen sogar nach mir, wenn sie mich nicht im Laden vorfinden. Manchmal kommen sie erst dann wieder, wenn ich selbst wieder im Laden bin.

Mein Geschäft ist in der Nähe einer Schule und es gibt einen Kerl, den ich schon kannte, als er noch sehr klein war. Ich konnte mitverfolgen, wie er aufgewachsen ist und welchen Beruf er mittlerweile erlernt hat. Auf diese Weise ist man mit einigen Kunden beinahe in eine Art Familie eingetreten. Ein anderes Mädchen ist zu meiner Anfangszeit noch in den Kindergarten gegangen, mittlerweile aber 12 oder 13 Jahre alt. Sie kam jeden Tag an meinem Geschäft vorbei und ich gab ihr ein Getränk. Das mache ich sogar heute noch und sie ist ein bisschen wie eine Tochter für mich. Somit gibt es durchaus einige Dinge, die mich hier in meinem jetzigen Laden festhalten, darunter fällt das ganze soziale Leben.

Durch das Geschäft gibt es immer Leben und es passieren viele Dinge, rund um den Laden. Eine weitere Geschichte dazu: Es gibt einen Angestellten der Stadt, der morgens hier regelmäßig den Müll abholt, aber aus irgendwelchen Gründen Angst vor einem meiner Freunde hat, sodass ich dem Freund rechtzeitig sagen muss, dass er sich verstecken soll, damit sich der Stadtangestellte traut. Dann gibt es einen Freund, der Italiener ist und ich machte mir immer wieder den Spaß, ihm zu sagen, dass seine Mutter nach ihm gefragt habe und er war dann meist ziemlich verunsichert und wollte wissen, was sie wolle. Mit guten Kunden mache ich regelmäßig Späße. Manchmal tue ich auch absichtlich so, als hätte ich mich bei der Menge der Zwiebeln vertan oder den Kunden nicht richtig verstanden...

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