Die Preiskonkurrenz ist groß. Ein Döner müsste heutzutage mindestens 4,50€ kosten, damit wir von den Einnahmen überhaupt leben können. Geht jemand zu großen Fast-Food-Ketten, dann braucht er oder sie mindestens 10€ um richtig satt zu werden, obwohl man dort nur Tiefkühlkost erhält. Bei Döner ist es anders, denn man zahlt in vielen Geschäften nur 3,50€ pro Döner und fast jeder wird allein von einem Döner satt. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die zwei Döner nacheinander schaffen. Viele Dönerläden achten wegen dem Preisdurck nicht auf die Qualität, weil sie sich denken, dass sie Kunden allein dadurch erhalten, dass sie den Döner besonders billig verkaufen. Allerdings ist es so, dass man einen billigen Döner nur einmal verkaufen kann. Wenn alle Ladenbesitzer gute und saubere Lebensmittel verkaufen würden, wäre dieser Preiskrieg gar nicht notwendig. Es gibt Läden, die ihre Döner für 1€ verkaufen! Diese Leute können gar nicht anders als umsonst zu arbeiten und zahlen sogar noch drauf, weil sie sich bei diesem Preis mit 50 Cent im Minus befinden müssten. Sie müssen ja nicht nur die Zutaten bezahlen, sondern auch alle Nebengebühren wie Gas, Strom und andere Fixkosten.

Im Vergleich zu meiner Arbeit kann ein Pizzabäcker, der täglich nur fünfzig Pizzen und vielleicht einige Getränke verkauft, gut von seiner Arbeit leben. Ich als Besitzer eines Dönerladens muss hingegen etwa 100 Döner am Tag verkaufen, damit ich einen Umsatz habe, der dem des Pizzabäckers nahe kommt. Dieser erzielt durch den Verkauf seiner 50 Pizzen etwa 150€ Gewinn, während ich durch den Verkauf von 100 Dönern nach Abzug meiner Kosten von 170€ nur einen Gewinn von ca. 100€ erwirtschafte.

Lange Öffnungszeiten sind für mich insofern ein Muss, als dass abends des öfteren vier oder fünf Kunden in der Stunde kommen, wodurch ich wieder 20 Euro verdient habe. Ich muss schließlich darauf achten, dass ich meine Kosten decke. Das heißt, dass ich selber mehr Geld verdiene, je weiter ich über diese 170€ hinauskomme. Wenn ich meinen Laden nur bis acht Uhr abends geöffnet hätte, dann habe ich nur einen Gewinn von etwa 80€, während dieser bei langen Öffnungszeiten auch einmal das Doppelte betragen kann.

Um ein guter Dönerladen zu sein, müssen wir immer unser Bestes geben und vor allem darauf achten, dass der Laden immer sauber ist und wir gute Qualität anbieten können. Dafür braucht man Zeit und Erfahrung, denn es ist nicht ausreichend, nur das fertige Dönerfleisch einzukaufen. Man braucht auch die dazu passenden Soßen, Salate und Brote. All diese Dinge müssen frisch sein. Ich würde sagen, dass man, wenn man dreimal hintereinander einen schlechten Döner verkauft hat, den Kunden und seinen Ruf verliert. Man muss in jedem Fall besser als die Konkurrenz sein. Ich sehe ab und zu andere Dönerläden, die keine frische Ware anbieten, denn dafür habe ich ein Auge. Eigentlich hätten viele Läden schon längst schließen müssen, weil sie nicht die entsprechende Qualität vorweisen können. Aber es gibt auch Kunden, die sich an der mangelnden Güte nicht stören, weil sie lediglich ein schnelles Essen haben wollen.

In dem hiesigen Ort, der etwa 25.000 Einwohner hat, gibt es nur zwei Apotheken, aber sechs Dönerläden. Ich denke, man sollte dies irgendwie begrenzen, denn mehr als zwei oder drei Dönerläden werden nicht benötigt. Schließlich gibt es hier auch nicht 20 Bäckereien, sondern nur fünf oder sechs, was für die Größe des Ortes völlig ausreicht. Dönerläden werden aber von den meisten Inhabern einfach ohne lange Überlegungen eröffnet, ohne darauf zu achten, dass sich die unterschiedlichen Besitzer am Ende gegenseitig das Geschäft kaputt machen. Mit einigen meiner Konkurrenten rede ich ab und zu, während ich zu anderen keinen Kontakt habe. Eigentlich sollte man miteinander sprechen und einen festen Preis vereinbaren, damit die Kunden sich ihre Geschäft nicht nach dem Preis, sondern nach der Qualität aussuchen. Denn im Moment haben wir alle einen unterschiedlichen Preis. Je mehr Gastronomiebetriebe es im Gesamten gibt, die der Inder oder Chinesen eingeschlossen, desto weniger verdiene ich mit meiner Arbeit. Wenn es in meinem Ort nur einen Dönerladen gäbe, müsste ich, um der Nachfrage gerecht werden zu können, mit vier oder fünf Leuten arbeiten. Das war so zuletzt im Jahr 1999, als ich noch ganz alleine in meinem Ort war. Da haben die Leute noch Schlange bei mir gestanden und ich habe dadurch sehr gutes Geld verdient.

Wenn man hingegen einen Dönerladen an einer Hauptstraße in einer großen Stadt besitzt, braucht man nicht mehr so genau auf die Qualität zu achten. Denn weil etwa 50.000-100.000 Menschen täglich an dem Geschäft vorbeilaufen, hat man 500 bis 600 Kunden pro Tag, die in dem eigenen Geschäft etwas zu Essen kaufen. Der Besitzer eines solchen Ladens kann problemlos die höheren Mieten bezahlen und sogar noch fünf oder sechs Leute einstellen und muss sich darüber hinaus keine Sorgen machen, ob ein spezieller Kunde irgendwann wiederkommt. Denn am nächsten Tag sind ebenso viele Menschen auf der Straße und ebenso viele Kunden kaufen in dem Laden ein. Sie brauchen nicht so sehr auf die Qualität zu achten, können weniger Fleisch nehmen und auch an anderen Ecken sparen, während ich mir dies nicht erlauben kann. Wenn ich nur eine Woche einen schlechten Döner verkaufe, werde ich meinen Laden schließen müssen.

Um einen Laden an einem gut gelegenen Ort zu haben, braucht man viel Kapital. Selbst in mein kleines Geschäft habe ich damals 60.000 DM investiert, weil die Gerätschaften in der Gastronomie sehr teuer sind. Meine Lüftungsanlage hat mich damals 12.000 DM gekostet. Wenn ich sie aber irgendwann weiterverkaufen will, dann wird sie nicht einmal mehr 1000€ einbringen. Ein Pizzaofen kostet 2000€ und selbst, wenn ich ihn gebraucht für 600€ erstehe, werde ich später kaum noch jemanden finden, der ihn mir für den gleichen Preis wieder abkauft. Es ist in der Gastronomie generell so, dass der Einkauf besonders teuer ist, der Weiterverkauf jedoch nur wenig abwirft. Ein Problem ist bei Gebrauchtware natürlicherweise, dass man nicht abschätzen kann, wie lange sie noch gut funktioniert. Wenn man ein längerfristiges Projekt starten will, dann möchte daher natürlich auch neue Geräte haben, um in Ruhe arbeiten zu können.

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