Detektiv

Von der Bundeswehr verschlug es diesen Detektiv über eine Weiterbildungsmaßnahme zu seinem jetzigen Beruf. Er kann einige Klischees aus unzähligen Fernsehsendungen widerlegen und empfindet seinen Beruf nur in wenigen Fällen als wirklich spannend. Viele Tätigkeiten seien langweilig, Privataufträge verquickten ihn in Ehestreitigkeiten und es mangle an Anerkennung für die Arbeit eines Privatdetektivs. Wenn Privatkunden dann noch Dinge fordern, welche sie zwar aus dem Fernsehen kennen, die aber jeglicher Rechtsgrundlage entbehren, wird es nur allzu verständlich, warum er lieber gewerbliche als private Aufträge annimmt.

Er ist Ende vierzig, verheiratet, ohne Kinder und arbeitet schon 23 als Detektiv. Das Gespräch findet bei ihm Zuhause am Esstisch in einem Haus in ländlicher Gegend statt. Vor dem Grundstück steht ein älterer Sportwagen. Im Zimmer befinden sich zwei weitere Gastgeber: Zwei Hunde und eine Katze.

Als Hauptschulabgänger verschlug es mich zunächst zur Deutschen Bundesbahn, bei der ich vier Jahre lang Tätigkeiten im Betriebsdienst ausgeübt habe - zuletzt war es die des Rangierers. Die Arbeit war sehr anstrengend, da es zu dieser Zeit noch möglich war, dass Tages- und Nacht­schicht an ein und demselben Tag stattfanden, was heute arbeitsrechtlich nicht mehr möglich ist. Ich habe dort zwei Jahre im Außenbereich gearbeitet. Die Tätigkeit ging schon in jungen Jahren enorm auf die Gesundheit. Im Folgenden meldete ich mich freiwillig zur Bundeswehr und habe dort die Ausbildung in Bodenverteidigung und in der Luftabwehr durchlaufen. Bei der Luftwaffe blieb ich sechs Jahre und habe im Anschluss eine Förderung durch die Bundeswehr genossen, die mir die Eingliederung in einen Zivilberuf erleichtern sollte. Im Jahr 1985 habe ich die Richtung einer IHK-Fachkraft mit Abschluss im Bereich des (Werks-) Sicherheitsdienstes mit Schwerpunkt Technik, Rechtsgrundlagen und Psychologie. Ich habe noch zwei Jahre im Kernkraftwerk gearbeitet, bevor ich dann meinen eigenen Sicherheitsdienst gründete.

Bei der Bundeswehr fühlte ich mich wie „Grünzeug", man verfällt in eine Art Militärwahn, sodass man nur noch die „grüne" Welt kennt. Ich habe später bemerkt, dass ich in ein Loch zu sacken drohte. Ich kannte Berufssoldaten, die abends mit ihrer Familie nur noch in die Kompaniebar gingen und sich ihr Weltbild nur noch in diesem einen Armee-Schema be­wegte. Dadurch hatte ich das Interesse am Berufssoldatentum verloren. Dazu kommt, dass ich zu einer Pilotenausbildung zur damaligen Zeit nicht die entsprechenden Voraussetzungen mitbrachte und ich schlug aus Bequemlichkeit auch keine Offizierslaufbahn ein. Die spätere Ausbildung zum Einsatz in den Sicherheitsdienst war für meine spätere Tätigkeit brauch­bar und in einer gewissen Weise zum Militär artverwandt, wenngleich mich diese Tätigkeit nicht besonders ansprach.

Mitte der achtziger Jahre war der Bedarf an gut ausgebildeten Sicherheitskräften aufgrund des Bedrohungsszenarios durch die Terrorismusszene, die zu dieser Zeit noch aktiv war, wesentlich höher. Dies dauerte bis Ende der achtziger Jahre. Bis dahin brauchten viele Wirtschaftsbosse Personal eines qualifizierten Sicherheitsdienstes, die sogar im Chauffeurbereich ausgebildet sein sollten. Ob das notwendig war, ist eine andere Frage und ich denke, dass manche nur aus Gründen des Prestiges einen Sicherheitsdienst hatten. Das Auftragspotential in diesen Jahren war jedenfalls vorhanden. Heute hingegen hat man es abgebaut, da der Sicherheitsbereich zwar kostet, aber selbst keinen direkten Gewinn bringt. Es kann sein, dass durch die erneute Bedrohungslage der letzten Jahre die Sicherheitsdienste in naher Zukunft wieder ausgebaut werden; momentan merke ich davon aber noch nichts, insofern es um Wirtschaftsbosse geht. Der Sicherheitssektor hat sich verlagert, von Personen auf Technik, denn Privatleute setzen heutzutage auf moderne Technik wie Videoüberwachung und Alarmanlagen. Personelle Sicherheit hingegen kostet viel Geld, denn es ist ein 24-Stunden-Job.

Detektive im Fernsehen

Ich bin immer wieder erstaunt, was für ein Blödsinn im Fernsehen gezeigt wird. Kriminalkommissare im Fernsehen sind weit weg von der Realität - wie auch vieles andere in Filmen. Was es aber gibt, ist die Kombination Detektiv und Rechtsanwalt, so etwas betraf sogar mich auch eine Zeit lang. Rechtsanwälte benötigen des Öfteren Detektive, um ihren Außendienst abzuarbeiten, das heißt der Detektiv ermittelt vor Ort gegen Schuldner oder andere Personen. Aber derart überspannte Situationen, wie man sie bei manchen Rechtsanwälten im Fernsehen sieht, sind völliger Schwachsinn. Allein die Überschreitung sämtlicher Rechtskompetenzen ist völlig un­realistisch. Wenn der Partner wirklich ein Rechtsanwalt ist, dann sollte er um Themen wie Hausfriedensbruch und Datenschutz Bescheid wissen. Es wird in Fernsehsendungen oft in Polizeiarbeit eingegriffen, sogar bei meldepflichtigen Straftaten - jeder reale Rechtsanwalt würde in so einem Fall seine Zulassung verlieren!

Rechtsanwälte betrachten Detektive oft als Konkurrenz. Das ist so wie in der Biologie mit dem Delfin und dem Killerwal, bei dem jeder Angst hat, dass ...

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