Bibliothekarin

Das Berufsbild der Bibliothekarin hat sich im Laufe der letzten Jahre sehr verändert, denn eine Bibliothekarin arbeitet heutzutage in erster Linie als Informationsvermittlerin. Diese Bibliothekarin hat den technischen Wandel hautnah miterlebt und berichtet von ihren Erfahrungen, der Tätigkeit sowie dem Angestelltendasein im öffentlichen Dienst.

Die Interviewte ist Mitte dreißig, hat vier Kinder und arbeitet seit fünfzehn Jahren in einer traditionsreichen Universitätsbibliothek, wo auch das Interview (in einem der unzähligen Räume) stattfindet. Von außen ein großes, sehr altes Gebäude, wunderschön verziert. Von innen großzügige Aufgänge und Flure mit viel Stein und Holz, die sich in kleinen Räumen oder Gängen mit gefüllten Bücherregalen verzweigen. Es riecht nach neuem und altem Wissen. An den Eingangsbereich schließen sich in einem geräumigen Bereich das Informationszentrum mit Computern und Verzeichnissen an. Diese Bibliothek verbindet in eindrücklicher Weise Vergangenheit mit der Gegenwart, in dem altes sowie modernes Wissen mit neuester Informationstechnologie verwaltet und auch teilweise elektronisch zur Verfügung gestellt wird.

Es bestand bei mir immer schon ein Interesse dafür, irgendetwas mit Büchern zu machen. Nach der Schule war mir nicht klar, welches Studien­fach mich so interessieren könnte, dass ich am Ball bleiben würde. Da standen einige zur Auswahl, aber ich konnte mich für keines entscheiden. Ich habe dann von der Ausbildung zur Bibliothekarin gehört. Die Ausbildung bestand aus einem zweijährigen Studium an der FH und einem Jahr praktischen Arbeitens. Das war überschaubar und dabei bin ich dann auch geblieben.

Mich hatte auch der Beruf der Buchhändlerin interessiert, ich kann aber gar nicht mehr sagen, wieso ich das nicht gemacht habe. Ich wollte unbedingt in einer  größeren Stadt arbeiten und bin durch bei einer Beratung durch das „Arbeitsamt" auf diesen Berufszweig gestoßen.

Tätigkeiten in einer Universitätsbibliothek

Es ist eine Verwaltungstätigkeit. Der  Bibliotheksdienst ist in den mittleren Dienst,  den gehobenen Dienst und den höheren Dienst, gegliedert. Wobei der höhere Dienst für die wissenschaftliche Auswahl der Literatur zuständig ist. Ich arbeite im gehobenen Dienst. Wir in der Hauptbibliothek der Universität erwerben alle Zeitschriften, sowohl gedruckt als auch elektronisch, diese stellen wir dann zur Verfügung. Die Institute beziehen auch noch ihre eigenen Zeitschriften in gedruckter Form. Wir haben zusätzlich in der Abteilung eine Stelle, die in einem deutschlandweiten Nachweisinstrument unsere Bestände sowohl für die UB als auch für den Campus nachweist. In drei Bereichen haben wir noch eine Abteilung die elektronische Zeitschriften und E-Books verwaltet, und die für den ganzen Campus zur Verfügung stehen und nachgewiesen sind. Das sind die Kern­aufgaben. Daran hängen dann etliche Verwaltungstätigkeiten.

Täglich gehen da sechzig, achtzig, neunzig Hefte ein. Die müssen eingetragen werden und für die Auslage bereitgestellt werden. Es gehen Rechnungen ein, die bearbeitet werden müssen, wenn etwas nicht bezahlt wurde, muss dem nachgegangen werden. Es kommt auch zu Reklamationen, wenn wir Heften nachgehen müssen, die nicht gekommen sind. Bei den elektronischen Zeitschriften hat man viel mit Störungen, beziehungsweise Schwierigkeiten beim Zugreifen auf diese Medien zu tun, dann muss man mit dem Verlag Kontakt aufnehmen. Wir sind dafür zuständig, dass die Leute draußen in der Bibliothek problemlos auf die Zeitschriften, gedruckt oder elektronisch, zugreifen können. Dafür sind wir da.

Technischer Fortschritt in Bibliotheken

Das fand ich damals und auch heute noch spannend. Damals war das ein markanter Wechsel. Als ich das Praktikum gemacht habe, hat man noch viel mit Zetteln gearbeitet, da lief vieles in Papierform, als ich dann später wieder in den Beruf gekommen bin, war schon einiges elektronisch. Das fand ich sehr spannend, weil immer wieder viel Neues dazu kam und man da einiges neu aufbauen konnte. Die Herausforderung, die die technische Veränderung mit sich bringt, finde ich ganz spannend, auch heute noch. Wir bauen zum Beispiel gerade die E-Books weiter aus. Die Veränderung ist allgegenwärtig. Mir gefällt das, weil man ...

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