Autohändler

Um als Autohändler auf dem Markt zu agieren, braucht man ein dickes Fell. Schwankende Absätze und drohende Konkurrenz im Internet setzen dem Geschäft schwer zu. Diese beiden Autohändler haben sich über die Jahre einen kleinen Autoverkaufsplatz aufgebaut. Sie arbeiten zusammen und teilen sich Grundstück und Miete - ihre Zufriedenheit mit dem Job unterscheidet sich aber in mancher Hinsicht.

Der Verkaufsplatz ist ein einfach gehalten und neben einer befahrenen Straße gelegen. Auf dem Platz steht eine Vielzahl gebrauchter Autos. In der Mitte ein Baucontainer, in dem eine geordnete Unordnung herrscht. Ich setze mich auf einen halb defekten Stuhl. Trotz des vermeintlichen Chaos, wirkt der Innenraum einladend und sympathisch. Es ist ein heißer, sonniger Tag am frühen Mittag. Der eine Autohändler, hier zur leichteren Unterscheidung Autohändler 1 genannt, ist deutscher Herkunft, trägt eine kurze Hose, T-Shirt und erzählt vor dem Interview von seinem Fischfang (Hecht) am vorherigen Tag. Der andere Autohändler, hier Autohändler 2 genannt, ist türkischer Abstammung, spricht mit etwas Akzent und trägt Jeans in Kombination mit einem Muscleshirt.

 

Autohändler 1: Ich habe Automechaniker gelernt und da ich ein gewisses technisches Knowhow habe, in einer größeren Firma im Verkauf gearbeitet und dort keine Zukunft gesehen habe und mehr oder weniger ausgenutzt wurde, hatte ich mich entschlossen das in eigener Regie zu machen. Ich hatte das technische Verständnis von Autos und das Verkaufen liegt mir. Mit Menschen zu tun zu haben, hat mir immer auch immer gefallen und daher habe ich mich 1987 entschlossen, das Gewerbe des An- und Verkaufs von Autos anzumelden.

Es gab schon rosige Zeiten und jetzt in dieser momentanen Lage, wo die Konjunktur zurückgeht und Vater Staat uns Auflagen gemacht hat, ist es ein Kampf. Man hat gewisse Gewährleistungen über gebrauchte Fahrzeuge. Wir geben diese Autos im besten Wissen und Gewissen ab und wenn dann mal etwas passiert, dann kommen die Leute angerannt. Wir haben zwar immer auch Garantien, viele Sachen schreiben wir auch in den Vertrag rein, von denen wir Bescheid wissen, aber wenn dann zwischendurch mal etwas passiert, dann wird es manchmal eng, dann geben wir gewisse Preis­nachlässe, denn dann gibt es manchmal Differenzen mit den Leuten. Aber die letzten Jahre haben wir nicht sehr viel Reklamationen gehabt, das ist halt eine Glückssache, das eine läuft, und das andere geht an einer Stelle kaputt und dann müssen wir den Kopf hinhalten. Manchmal kommt es auch vor, dass man gar eine Serie von Vorfällen hat. Vor drei Jahren war dieser heiße Sommer, da sind sehr viele Motoren kaputt gegangen, etwas an der Thermik ausgefallen beziehungsweise am Kühlsystem und schon ist es passiert. Und wir müssen den Kopf hinhalten, da haben wir unseren Gewinn teilweise wieder verschossen. Ich arbeite hier seit Dezember 1993, das sind jetzt zwölf Jahre. Zu Beginn habe ich sieben Jahre in Eigenregie das Geschäft geführt. Später habe ich mich dann entschlossen, meinen Kollegen dazu zu holen, da wir uns gut kannten und auch gut miteinander auskamen. Wir arbeiten hier also mit zwei Parteien, jeder für sich, teilen uns die Miete und arbeiten Hand in Hand. Daran gab es auch nie einen Zweifel und es war eine gute Entscheidung, dass wir das hier zusammen machen. Da kann auch mal einer im Urlaub sein.

Autohändler 2: Ich bin sehr spontan, und wenn ich mal in den Urlaub möchte, dann mach ich das auch, denn ich weiß, mein Kollege ist da und ich kann ihm vertrauen, und umgekehrt. Deswegen arbeite ich gerne zu zweit. Er hat ebenso letztens angerufen und gesagt, er ist eine Woche weg. Das ist das Schöne daran, man ist frei, ungebunden, hat keinen Chef, fährt in den Urlaub, wann man will und geht nach Hause, wann man will.

... andere Berufsgeschichten lesen? Das Buch Berufsgeschichten - Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben gibt es schon ab 5,95 Euro!

Woher die Autos kommen

Autohändler 1: Der Einkauf, der macht Spaß. Man freut sich, wenn man ein gutes Auto gekauft hat und weiß auch, dass man es wieder gut verkaufen wird. Wenn die Leute nett und in Ordnung sind, dann macht man auch viele Zugeständnisse, auch wenn mal was passiert. Man lernt dabei schon auch viele Leute kennen, tagtäglich, es ist immer etwas Neues. Jeder Tag ist offen und bringt gewisse Überraschungen mit sich. Wir sitzen hier und warten bis die Leute kommen, obwohl wir ja auch so immer was zu tun haben. So, wie der Bäcker jeden Tag seine Brötchen verkauft, verkaufen wir unsere Autos. Da wir hier kein zweites Standbein haben, sind wir ebenso darauf auch an­gewiesen, zu verkaufen. Wir verkaufen nur, reparieren aber - außer Kleinig­keiten - nicht selbst. Wenn wir nach dem Verkauf einen Reparaturfall haben, geben wir das Auto direkt an eine Anschlusswerkstatt, an Kollegen, die wir kennen und uns das dann mehr oder weniger günstig machen. Aber Kleinigkeiten machen wir hier selber. Es gibt gewisse Firmen in der Um­gebung, die wir bereits kennen und die als Autokunden bevorzugt Händler haben möchten, weil Händler gegen Händler keine Gewährleistungspflicht haben. Diese Firmen verkaufen die Autos dann viel günstiger an Händler, sodass sie keinen Ärger mit den Privatleuten haben. Früher war unser Beruf einfacher, da mittlerweile das Angebot, durch das Internet, viel größer geworden ist und man dort auch günstige Autos findet. Die Leute sind nicht mehr auf unsere Verkaufsflächen angewiesen, da die meisten PC und Inter­net haben und sich so die Rosinen herauspicken, also die günstigsten An­gebote. Das macht schon ein bisschen den Preis kaputt, da haben wir auch mit zu kämpfen. Damit wir weiter konkurrenzfähig sind, setzen wir deshalb die Autos oft weit unter dem Preis an.

Autohändler 2: Wir kaufen viele Autos über Autohäuser oder andere Händler. Die rufen mich an, sagen, dass sie ein Auto für mich haben, zum Beispiel einen Golf III, mit einer gewissen Anzahl an Kilometern und einer bestimmten Farbe. Dann frage ich nach dem Preis - ich weiß ja ungefähr die Preise, also was günstig ist - und gehe dort hin, sehe mir das Auto schnell an und entweder passt es dann oder nicht. Wenn die Autos Mängel haben, geben sie mir darüber auch Bescheid, zum Beispiel dass die Bremsen ge­macht werden müssen. Das sind die Autos der Leute, die sich ein neues Auto kaufen und ihre alten Autos in Zahlung geben. Ich freue mich jedes Mal, wenn diese Händler anrufen. Mein Kollege macht das manchmal auf andere Weise, er hat sich auch schon Autos über das Internet ersteigert, zum Bei­spiel in Bremen oder Hannover. Da kommt es dann auch vor, dass das Auto dann nicht in dem Zustand ist, in dem es beschrieben wurde. Also für so etwas bin ich persönlich zu faul. Ich mache das lieber so, dass ich mich von dem Händler anrufen lasse, oder manchmal gehe ich auch dort hin und frage nach. Die müssen keine Garantie oder Gewährleistung geben und verkaufen ihre Autos auch nur an Wiederverkäufer. Ich liebe das Kaufen von Autos. Das macht mir mehr Freude als sie zu verkaufen. Mein Kollege ist hingegen der bessere Verkäufer. Wenn ich die Autos kaufe, schaue ich zum Beispiel nach der Ausstattung, was diese Autos für Extras bieten, das liebe ich am meisten. Wenn ein Auto eine gute Optik hat, dann zählt diese meistens auch, das heißt wenn es sauber ist, keine Kratzer hat und natürlich wenn der Preis gut ist, dann lässt es sich fast von alleine verkaufen. Wie gesagt, ich selbst bin ein schlechter Verkäufer und man kann bei mir gut den Preis drücken. Ich gebe schnell nach.

... andere Berufsgeschichten lesen? Das Buch Berufsgeschichten - Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben gibt es schon ab 5,95 Euro!

Verkauf, Vertrauen und Verständnis

Autohändler 1: Es ist immer verschieden, es kommt aber immer darauf an, dass man auf den Kunden eingeht. Man gibt sich mehr Mühe als die großen Autohäuser. In unserem kleinen Betrieb macht man, was möglich ist, man geht auf den Kunden ein, schaut, was er für Vorstellungen hat. Bei vielen Leuten, die das erste Mal hier her kommen, zählt oft auch, zuerst einmal das Vertrauen zu dem Verkäufer zu gewinnen. Wenn das dann einigermaßen vorhanden ist, klappt auch der Verkauf, meistens. Ich denke, wenn der Ver­käufer einen schlechten Eindruck abgibt, sind die Leute skeptisch. In erster Linie geht es um den persönlichen Eindruck - es sei denn, dass Auto um das es geht, ist sehr gefragt.

Autohändler 2: Ich merke das auch oft am Telefon. OK, ich glaube ich klinge auch am Telefon nicht so schön, aber wenn man merkt, dass am anderen Ende ein Ausländer spricht, haben viele auch kein Vertrauen mehr. Ich selber merke es gleich. Ich fange das Gespräch an und merke, ob man mich sympathisch findet. In dem Fall verhalte ich mich auch anders. Wenn keine Sympathie vorhanden ist, merkt man, dass da nicht viel läuft. Es kommt wohl auch darauf an, ob man ein schönes Büro hat, ob man in so ein Büro hinein gehen würde ... (es klingelt das Telefon, er redet eine Weile, legt dann auf). Der Mann gerade am Telefon hat das Auto gar nicht gesehen, sondern direkt mit mir am Telefon zu verhandeln versucht (lacht).

Autohändler 1: Es gibt Leute, die wissen gleich was sie wollen, wenn die das Auto gesehen haben, kaufen sie es auch. Dann gibt es Leute, die unschlüssig sind, die haben zwar schon gewisse Vorstellungen, was sie ungefähr möchten, und bei dem, was sie dann sehen, müssen sie erstmal ein paar Tage überlegen. Und dann gibt es auch Leute, die kaufen so gut wie gar nichts, sondern gucken erstmal ein halbes Jahr. Bei manchen Kunden die wir haben, dauert es ein paar Wochen Die kommen fünf Mal, und dann kaufen sie, da kann man dann auch nicht sagen, dass man jetzt keine Zeit hat. Der Job ist, die Leute zu beraten, den Rest entscheiden sie selber, man kann da nichts erzwingen. Manche Leute sind vernünftig und man kann mit denen auch vernünftig reden, aber bei anderen merkt man schon, dass das nach Ärger riecht. Bei manchen haben ich auch schon gesagt: „Weißte was, such dir woanders ein Auto".

Autohändler 2: Ich habe vorher woanders gearbeitet, auch mit einem älteren Türken zusammen, der fünfzig Prozent der Besucher von seinem Platz schmiss. Das war schon schlimm. Bei dem sind viele Leute nur zum Probefahren gekommen. Da hat er dann gefragt, ob sie den festgelegten Preis zahlen würden: „Wenn du den Preis zahlst und das Auto dir gefällt, kannst du gleich Probe fahren und danach zahlst du". Wenn der Käufer dann mit „ja" geantwortet hat, hat er ihn Probe fahren lassen. Wollte er erst noch überlegen, dann solle er erst überlegen, und wenn er kaufen will, könne er auch Probe fahren. Und wenn dann manche Leute ein paar Mal den Wagen an- und ausgemacht haben, ist er auch schon mal hingegangen und hat die Leute weggejagt. Und es kam auch öfters vor, dass die Leute dann wieder gekommen sind und das Auto dennoch gekauft haben.

Aber ich mach das manchmal hier auch so, denn da kommen Leute rein und wollen direkt Probe fahren. Ich frage sie dann, ob sie sich das Auto mal angeschaut hätten, auch den Preis. Dann antworte ich auch schon mal „komm morgen wieder, heute geht es nicht". Meistens kommen die dann nicht mehr, das sind nämlich Leute, die nur fahren wollen. Ich hab mal so einen Sportwagen gehabt, da kamen nur junge Leute. Und als ich dann einmal nicht da war, hat mein Kollege die fahren lassen, zwei Jungen, und die haben dann einen Unfall gebaut. Damals war das, glaube ich, ein Schaden von sieben bis achttausend Mark. Und dann habe ich zu dem Fahrer gesagt, er müsste was übernehmen, aber er sagte nur, ich müsse doch Vollkasko versichert sein. Und da habe ich mich natürlich geärgert. Er hätte ja auch mal etwas geben können, denn es war ja sein Verschulden, er hatte in der Kurve zu viel Gas gegeben, konnte das Lenkrad nicht halten und ist gegen einen Zaun gefahren. Das hat mich derart verärgert, dass ich zu einem Anwalt gegangen bin, ich habe damals sogar eine Rechtsschutzversicherung gehabt. Ich habe das Auto damals für dreitausend Mark reparieren lassen und der Anwalt hat erwirkt, dass der Fahrer dann auch zahlen musste. Aber letztens hatten wir jemanden, mit einem älteren Auto, der ist jemandem hinten drauf gefahren und dieser hat auch nichts bezahlt.

Autohändler 1: Ich hab mit dem guten Mann geredet und ich hab gemerkt, dass der kein Geld hat, war verstört. Da hab ich ihm gesagt, er kann ruhig wieder kommen, wenn er wieder flüssig ist, kann er sich ein anderes Auto kaufen. Das hätte mir alles nichts gebracht. Ich kann mir ja auch die Leute nicht vergraulen, das war ja nur ein Schaden von 50 Euro, das habe ich selber gemacht. Normalerweise wäre das ein Schaden gewesen von 500 Euro. Ich hab dann halt ein paar kleine Kratzer gelassen, alles abpoliert. Man muss sich auch ein wenig den Leuten anpassen.

... andere Berufsgeschichten lesen? Das Buch Berufsgeschichten - Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben gibt es schon ab 5,95 Euro!

Ärger mit den Kunden

Autohändler 1: Einmal hat hier jemand sein Fahrrad zwischen die Autos geschoben, das muss ja nicht sein, denn bei manchen Autos bleibt er dann hängen, macht einen Kratzer rein. Normalerweise sag ich, ok, stellt euer Fahrrad an der Seite ab und schiebt es nicht zwischen den Autos durch. Da war ich halt ein wenig gereizt, bin nach draußen und hab den Mann angeschnauzt, er könne doch hier das Fahrrad nicht durchschieben, er verkratzt mir die Autos und ob er es nicht an die Seite stellen könnte. Er hat dann aber trotzdem ein Auto gesehen und es auch gekauft.

Autohändler 2: Ich habe gedacht, dass der Mann jetzt geht (lacht), also ich wäre gegangen, wenn mich jemand so angemacht hätte. Manche Leute brau­chen das wohl, wenn man bei denen zu freundlich ist, nutzen die das aus. Die werden dann richtig frech, denken dann, dass ich ihm unbedingt das Auto verkaufen will, da kann man ja mit dem reden, wie man will. Dann sagen die auch mal, wenn der Preis schon bei 5.000 Euro steht, etwas von 3.000 Euro. Dann gibt es aber auch andere, die wollen es, dass man sie freundlich und richtig berät.

Ja, aber viele Leute lügen. Ich habe hier, das weiß ich noch, einem Amerikaner einen BMW verkauft. Der hat mir zu DM-Zeiten 1.000 Mark angezahlt und hat das Auto drei Wochen lang stehen lassen. Das Auto hat 3.500 Mark gekostet. Dann kam er her und hat mir erklärt er müsse nach Boston gehen, er könne das Auto nicht kaufen und ich solle ihm das Geld zurück geben. Ich habe ihm dann gesagt, dass das Auto verkauft ist und wir einen Vertrag hätten. Also müsse er nochmal zwanzig Prozent beziehungs­weise fünfzehn Prozent da lassen. Er hat mich dann angebettelt und ich habe angeboten, ihm 500 Mark zurückzugeben und die restlichen 500 Mark hat er als Guthaben bei mir, für den Fall, dass er bei mir ein anderes Auto kauft. Er hat dann OK gesagt, ist rausgegangen und beim Laden gegenüber, die hatten auch einen BMW, einen gekauft. Und das hat mich geärgert, der hat mich richtig angelogen! Er hätte ja nicht lügen brauchen, sondern sagen können, dass er da drüben ein Auto gesehen hat, dass ihm besser gefällt. So wie vorgestern die Frau, die mich auch angelogen hat. Sie hat am Samstag von mir ein Fahrzeug gekauft und eine vertraglich geregelte Anzahlung von über 500 Mark gemacht. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass es sich um ein Fahrschulauto handelt, dass sie mir das später nicht vorwerfen kann. Gestern kam sie dann mit ihrer Oma und beschwerte sich, dass das Auto ein Fahr­schulauto wäre und sie das Auto doch nicht kaufen will. Ich hätte das in den Vertrag schreiben müssen. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich ihr das gesagt habe und ich so davon ausgegangen bin, dass sie das Auto auch nimmt.

Autohändler 1: Sie hat erst mündlich akzeptiert, dass es ein Fahrschul­wagen war, aber sich dann von den Leuten hinterher beschwatzen lassen, dass die Leute bei der Fahrschule ja nicht richtig fahren können. Vielleicht hätten die Fahrschüler den Wagen ein paar Mal abgewürgt, sodass das Ge­triebe einen Schaden haben könnte. Und dann beschwert sie sich bei uns, sie hätte das gar nicht registriert und im Vertrag stünde das auch nicht drin und sie will deshalb zurücktreten. Und vorher hat sie noch bei der Fahrschule angerufen und sich von denen einen Brief zeigen lassen, hat aber bei uns behauptet, sie hätte nicht gewusst dass es ein Fahrschulwagen wäre. Also hat sie uns angelogen. Denn, wenn sie mir sagt, sie wüsste gar nicht, dass es sich um ein Fahrschulauto handelt, woher konnte sie dann von der Fahrschule überhaupt wissen? Ich hab ihr daraufhin gesagt, dass das nicht in Ordnung sei, sie habe mich richtig angelogen.

Es ist aber nun einmal so, dass das nicht schriftlich im Kaufvertrag vermerkt war und Fahrschulwagen oder auch Mietwagen wollen manche Menschen nicht. Die haben da halt eine Abneigung. Teilweise ist das verständlich, das muss man auch akzeptieren, aber wenn man es weiß - und man ist ja nicht im Kindergarten hier - dann finde ich, dass Regeln dafür da sind, dass sie auch eingehalten werden, auch wenn sie nur mündlich vereinbart wurden. Viele andere Kollegen oder auch größere Autohäuser hätten das nicht durchgehen lassen, die verlangen dann fünfzehn Prozent oder zwanzig Prozent Abschlag vom Kaufpreis, wegen Nichterfüllung, und die ziehen das auch gerichtlich und mit Rechtsanwalt durch. Aber wir, bevor wir da Ärger haben, haben wir gesagt, OK, vielleicht kommt sie ja mal wieder vorbei und es passt bei einem anderen Auto.

Ein Auto hier hatte eine Motorhaubenlackierung, eine Art Airbrush, da war eine Katze drauf. Für dieses Auto hatten sich zwei Leute interessiert ein Mann und eine junge Frau. Zu ihm habe ich dann gesagt, dass das Mädel zuerst dran war - es handelte sich um einen roten Golf GTI - und es täte mir leid, aber sie war halt zehn Minuten eher da. Da warte ich erstmal ab, was sie jetzt dazu sagt und danach werden wir  weitersehen, ob sie es nimmt oder nicht. Sie hat es dann letztendlich genommen und der andere ist dann mit quietschenden Rädern fort gefahren, das war um elf Uhr. Um halb eins bin ich dann wieder an das Auto gekommen, und habe gesehen, dass die die Motor­haube total zerkratzt war. Ich habe es dann einem Lackierer gegeben, und der hat das aufwändig, weil da ein paar Schichten Klarlack drauf waren, wieder hin bekommen, sodass das Bild gerettet werden konnte.

Manche Leute kommen selbst bei einem wenig hochwertigen Auto das ganze Jahr zu mir gerannt und beschweren sich, dass dies oder das kaputt ist. Manchmal klemmt auch nur das Zündschloss. Alles Verschleißteile eben, aber die Leute berufen sich auf die Gewährleistung. Manchmal wollen sie uns dann sogar verklagen, weil irgendwelche Verschleißteile irgendwann kaputt gegangen sind. Wiederum andere kommen auch hier rein und fangen an, herum zu brüllen und ich sage ihnen dann, dass es in dem Ton nicht geht. Wir gucken was wir machen können. Manchmal teilt man sich dann die Sachen und die Arbeit machen wir auch günstig. Aber manche Leute nehmen halt, wenn man ihnen den kleinen Finger gibt, die ganze Hand oder den ganzen Arm. Es sind diese schlechten Erlebnisse, weswegen viele Leute dann auch nur noch Geschäfte ausschließlich zwischen Händlern machen, manche wollen den Ärger einfach mit Endkunden nicht. Es ist halt Glückssache, man redet mit den Leuten und hofft, dass sie es akzeptieren. Manche sind auch erst freundlich und hinterher sind sie ganz anders, wenn etwas kaputt geht. Andere Leute bekommen von uns verkratzte Autos und bevor wir dann mit den Leuten groß Ärger haben, versuchen wir den goldenen Mittelweg zu finden oder manchmal verzichten wir auch auf manches. Da sind wir halt ein bisschen weich, vielleicht etwas zu weich für die heutige Zeit. Normalerweise ist das heute ein richtiger Kampf, also ich würde das heute nicht mehr anfangen, das Autogeschäft.

... andere Berufsgeschichten lesen? Das Buch Berufsgeschichten - Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben gibt es schon ab 5,95 Euro!

Neuanfang in einer anderen Branche?

Autohändler 2: Ich würde es schon machen. Manchmal, wenn ich ein Auto kaufe, wird es schon am gleichen Tag verkauft, ohne dass ich viel machen muss und man hat sogar einen guten Gewinn. Aber es gibt auch Zeiten, da stehen Autos ein oder zwei Jahre rum und die verkaufe ich dann meistens mit Verlust. Und auch wenn ich 2.000 Euro Verlust habe, freut mich das mehr, dass ich es noch geschafft habe, als wenn ich es sofort verkauft hätte. Mir geht es darum, dass ich jeden Tag was zu verkaufen habe, das hab ich am liebsten. Wenn ich in einem Monat in der ersten Woche zwanzig Autos verkaufe und die restlichen drei Wochen gar nichts, dann bin ich deprimiert. Nicht weil ich wenig verdient habe, sondern weil ich die zwanzig Autos dann lieber über den Monat verteilt hätte, das macht mir noch mehr Spaß. Das ist dieser Erfolg, das man auch etwas verkauft hat. Also ich würde das Geschäft immer wieder anfangen. Ich habe mir zwar oft überlegt, ob ich was anderes machen soll, aber es macht mir wie gesagt Spaß, Autos zu ver­kaufen, und so habe ich ja auch angefangen. Ich habe mir selber Autos gekauft und diese schön gemacht und nach einem oder zwei Monaten wollte ich dann ein anderes Auto. So habe ich dieses Auto dann wieder verkauft, meistens mit Gewinn, und dann habe ich mich irgendwann gefragt, ob man damit nicht auch Geld verdienen kann.

Ich habe dann viel in Zeitungen inseriert und damals, also 1991/92, wurde ja Ostdeutschland aufgemacht, da konnte man auch sehr viel verkaufen, alles. Und danach kamen auch Italiener, Spanier und Russen, die haben sehr viele Autos gekauft. Ich habe selbst schon Autos, bevor ich sie überhaupt hatte, allein per Telefon schon wieder weiterverkauft. Das hat mir großen Spaß gemacht. Ich kenne viele Händler, und irgendjemand von denen hat das dann immer gekauft. Früher habe ich achtzig Prozent an Wiederverkäufer ver­kauft, heute ist es umgekehrt. Mit Händlern hat man kein Problem, die kommen und gucken, zahlen gleich und nehmen das Auto mit, von denen hört man nichts mehr. Bei Endverbrauchern gibt es halt Leute, die kommen hierher und wollen ein Auto für 500 Euro kaufen und fragen, ob da zwei Jahre Garantie drauf ist. Denen vertraue ich dann nicht, denn ich kann nicht ein Auto für 500 Euro verkaufen, das fünfzehn Jahre alt ist und drei Jahre Garantie geben (lacht). Einmal war ich in der Türkei, da kann ich mich gut dran erinnern. Da klingelt dann auf einmal mein Telefon und dran war jemand, der vor einem Jahr mal ein Auto von mir gekauft hat. Er hat sich beschwert, dass das Standgas zu niedrig wäre, worauf ich gesagt habe, ich sei im Urlaub, aber er möge doch in eine Werkstatt gehen und sich einfach das Standgas ein wenig höher stellen lassen. So etwas kommt dann auch vor.

Autohändler 1: Es ist eine sehr harte Zeit geworden. Es ist einfacher für Leute, die ein gewisses Fettpolster [= Geldreserve] haben. Aber es gab ein paar Ereignisse in meinem Leben, die mich ein wenig aus der Bahn geworfen haben, da war auch eine Scheidung dabei. Früher hatte ich auch ein gutes Fettpolster, aber das ist dann alles ... teilweise war die Psyche nicht so gut, da hat man dann auch gar keinen Kopf gehabt. Da habe ich mir dann wahllos die Autos gekauft und nicht diejenigen, die wirklich gefragt sind. Dadurch, dass wir jetzt hier zu zweit sind, beraten wir uns und ich habe mir bei manchen Fehlern, die ich gemacht habe, auf diese Weise auch was abgeguckt. Aber wie gesagt, heutzutage muss man schon sehr viel Geld haben, sonst kann man das gar nicht mehr bezahlen. Und es ist ja nicht so, dass man hier immer nur gute Autos bekommt. Es gibt eben auch Autos, die nimmt man halt, und dann stehen sie hier herum. Also ich könnte mir schon vorstellen, auch mal was anderes zu machen, ich muss nicht mein Leben lang Autos verkaufen, ich hab auch noch andere Hobbys, die ich gerne zu meinem Beruf machen würde. Aber jetzt hab ich schon mein ganzes Leben nichts anderes gemacht und mache hier auch weiter, denn nach zwanzig Jahren Selbständigkeit zurückzugehen in ein Angestelltenverhältnis, das ist auch schwierig. Wenn natürlich durch irgendwelche Umstände hier alles vor die Hunde gehen würde, dann müsste man das natürlich. Aber ich mach das so lange wie es geht, es gibt immer Höhen und Tiefen. Vielleicht klingt es in unserem Gespräch jetzt so negativ, aber vor vier Wochen habe ich da noch anders darüber gedacht, da ist es noch besser gelaufen. Jetzt ist wieder so ein kleines Loch, bei dem wieder ein Haufen Rechnungen herein fliegen und man sich fragt, wann das nächste Auto weg geht. Da ist man dann halt ein wenig nervös, denn bei mir zum Beispiel geht schon seit ein paar Wochen nichts. Überall sind die Preise im Keller, da wird man schon nervös und man fängt an, zu resignieren beziehungsweise denkt immer mehr über ein zweites Standbein nach. Dann kommen jedoch wieder Phasen, wo es gut läuft und dann wird man wieder faul und zieht es doch nicht durch und hat den Ehrgeiz nicht. Aber es ist schon so, dass ich mir denke, dass ich noch was zusätzlich machen müsse.

... andere Berufsgeschichten lesen? Das Buch Berufsgeschichten - Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben gibt es schon ab 5,95 Euro!

Die richtige Einstellung

Autohändler 2: Man muss eben optimistisch sein, ich versuche das. Es war oft der Fall, dass zwei oder drei Wochen gar nichts gegangen ist. Da fragt man sich auch, ob jetzt gar nichts mehr läuft. Aber es kommen auch wieder Zeiten, in denen der halbe Platz hier leer ist und dann denkt man sich, dass es jetzt wieder geht. Man kauft wieder ein und es geht eine Zeit lang gut. Dann kommen auch wieder vier oder fünf Wochen, in denen gar nichts geht, beziehungsweise wenig geht. Aber ich denke mir immer, dass nach jedem Regen auch wieder Sonnenschein kommt und so muss man auch denken.

Autohändler 1: Man muss sich manchmal auch eine Maske aufsetzen, wenn man mal nicht gut drauf ist, denn die Leute merken das. Wenn man ein wenig deprimiert ist, geht raus und guckt so eingeschlafen weil man schon denkt, man verkauft eh nichts, dann hat das auch Auswirkungen. Manchen muss man aber gar nicht groß etwas über das Auto erzählen und sich präsentieren.

Autohändler 2: Es kommt natürlich darauf an, wie man sich fühlt. Wenn ich gut drauf bin, dann verhalt ich mich ganz anders und das Auto verkauft sich von alleine. Die sehen das einem an, am Gesicht, da sieht man das wie der andere drauf ist. Wenn ich aber private Probleme habe, dann merke ich auch, dass die Leute nichts kaufen wollen und sie gehen dann auch wieder.

... andere Berufsgeschichten lesen? Das Buch Berufsgeschichten - Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben gibt es schon ab 5,95 Euro!

Wie man den Autoverkauf lernt

Ich kenne einen türkischen Autohändler, von dem habe ich sehr viel gelernt. Das hat mir da so viel Spaß gemacht, wie der die Autos angeschaut hat und den Preis gedrückt hat! Ich habe viel von ihm gelernt. Dann kannte ich noch einen Zigeuner, die sind ja wie fliegende Händler. Ich hatte bis dahin nur Autos über Automärkte oder Sperrmüllzeitungen gekauft. Und dann kam dieser Zigeuner, wir waren so ein bisschen befreundet, und der braucht immer jemanden, alleine macht der keine Geschäfte. Er hat mir dann angeboten, mit ihm zusammen zu arbeiten. Er hat mir beigebracht, dass man selbst als Händler auch in Autohäusern Autos kaufen kann. Die meisten Wiederverkäufer rufen einen auch nur, wenn man denen „was (Geld) zusteckt", ist ja auch bekannt. Jeder weiß das. Unter den Verkäufern in einem Autohaus ist immer einer, der mir sagt, der Preis für das Auto wäre 2.000 Euro, wenn du mir aber 2.100 Euro gibt, kommen wir ins Geschäft. Das macht man dann auch. Sie wissen, welche Autos für Händler gut sind, und dann wird man auch von denen angerufen. Es gibt sogar Autohäuser, wo der Geschäftsführer sich das mit allen Angestellten teilt.

Vom dem Zigeuner habe ich sehr viel gelernt, die sind ja geschäftstüchtig, die kaufen gut ein. Von dem türkischen Autohändler habe ich gelernt, wo­rauf man bei Autos achten muss, also Kilometer und Technik, und von dem Zigeuner habe ich gelernt, wie man günstig einkaufen kann. Der konnte so gut reden, dass sogar dann, wenn jemand sein Auto nicht verkaufen wollte, er es ihm trotzdem abgekauft hat. Er ist so unglaublich freundlich, wie je­mand aus dem Königshaus. Ich war mit ihm mal bei einer Firma. Wir sind dann zu dem Chef ins Büro. Wenn bei jemandem an der Wand Bilder hängen, und Zigeuner kennen sich gut mit Bildern aus, dann hat er nicht über das Auto geredet, sondern erstmal über das Bild. Er sagte, was für einen guten Geschmack er doch hätte und hat dadurch den Mann erst einmal weich gemacht. Später konnte er ihm dann das Auto günstig abkaufen, der Mann konnte dann auch nicht mehr nein sagen, weil er so freundlich war.

Man lernt viel in diesem Geschäft! Neulich habe ich ein Fahrzeug im Internet inseriert, für 3.900 Euro, einen Renault. Da hat mich dann gleich ein Händler aus der Tschechei angerufen und gesagt, er würde das Auto für 3.400 Euro nehmen. Er hat mir ein Fax mit Unterschrift geschickt, dass er kommen wird. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich gerade nicht im Büro bin und erst zum Faxgerät muss. In dieser Zeit ruft dann noch jemand an, ebenfalls aus der Tschechei, und sagte, er würde das Auto kaufen. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich schon jemanden hätte, der mir 3.500 Euro bietet, das habe ich ihm natürlich nur so gesagt. Dann bot er mir 3.600 Euro und ich habe dem zugestimmt. Nun ruft mich noch jemand aus Deutschland an, ebenfalls ein Händler, der mir anbot, das Auto zu kaufen und ich solle ihm einen Preis machen. Ich sagte ihm, dass ich nichts mehr machen könnte, da ich schon jemanden aus der Tschechei hätte, der mir 3.800 Euro bezahlt. Daraufhin bot er mich 3.900 Euro, und dann habe ich dem zugestimmt. Wenn ich ihm so etwas nicht gesagt hätte, wäre er mit dem Preis bis auf 3.000 Euro herunter gegangen. Nicht aber, wenn man sagt, dass es schon einen Käufer gibt. O.k., das Fahrzeug war auch sehr günstig, denke ich. Manchmal streiten sich zwei oder drei Leute, die ein Auto kaufen möchten. Manchmal stehen auch zwei Leute hier und behaupten beide, sie hätten das Auto als erster gesehen dann fragt man sich auch, was soll ich jetzt tun, soll ich teilen?

... andere Berufsgeschichten lesen? Das Buch Berufsgeschichten - Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben gibt es schon ab 5,95 Euro!

Welche Eigenschaften benötigt ein Autohändler?

Wenn man Autohändler werden will, dann muss man vielleicht wie ich denken. Wenn ich jemandem vor zwei Jahren ein Auto verkauft habe und das Auto dann sehe, dann weiß ich fast immer noch über das Auto Bescheid. Wenn ich manchmal jemanden kennen lerne und der sagt mir seinen Namen, habe ich den nach fünf Minuten vergessen. Aber wenn mir jemand am Telefon von einem Auto erzählt, über Kilometer, Baujahr und Zulassung, dann weiß ich nach einem Monat immer noch darüber Bescheid. Also wenn man das kann, dann kann man Autohändler werden. Und es muss einem Spaß machen, mir macht es Spaß. Ich mach das so gerne, dass ich mir manchmal schon morgens beim Aufstehen bereits einen Plan erstelle. Und es freut mich, wenn ich gute Autos habe und weiß, wie viel Gewinn ich damit mache. Ich kann mir nicht vorstellen, ein Restaurant oder Café aufzumachen, das wäre nichts für mich. Die Arbeit als Autohändler ist einfach, man muss nicht viel machen. Man muss aber natürlich Geld haben und mit Geld auch umgehen können.

Ich denke schon, dass ich damit umgehen kann. Wenn ich viel verdient habe, gehe ich nicht raus und mach Rambazamba, denn dann habe ich ja nichts mehr. Wenn auf dem Platz immer die gleichen Autos stehen und die Leute sehen diese Autos, dann denken die, dass unser Laden nicht gut läuft. Man muss immer wieder neue Autos besorgen, dann läuft das auch. Das ist reine Kopfsache. Man braucht natürlich Kapital. Wenn ich eine lange „Decke" habe, kann ich auch meine Füße strecken. Ich war früher arbeitslos, habe dann geheiratet und bin in eine eigene Wohnung gezogen. Meine Eltern haben mir damals das Schlafzimmer eingerichtet. Ein Freund von mir hat zur gleichen Zeit geheiratet und sich jedoch komplett mit neuen Möbeln eingerichtet. Aber ich bin jemand, der immer alles gleich bezahlt und keine Schulden macht. Ich habe mir erst mit der Zeit die Sachen gekauft, da habe ich natürlich auch angefangen zu arbeiten

Mein Freund aber war irgendwann überschuldet, dann war er auch eine Zeit lang arbeitslos, aber die Möbel mussten dennoch bezahlt werden! Als ich zum Beispiel mit dem Zigeuner gearbeitet habe, haben wir beide gleiches Geld verdient. Er hatte auch eine Familie gehabt, aber er hat sich eine Freun­din geholt und sie mit in seine Wohnung genommen. Die ist dann auch noch schwanger geworden und hat gerne Geld ausgegeben. Nach ein paar Monaten hatte er dann kein Geld mehr und mich gebeten, ein bestimmtes Auto zu kaufen. Da habe ich mich natürlich schon gewundert, denn wir verdienen das gleiche und müssten also auch gleiches Geld haben, und mich gefragt, warum ich zahlen sollte. Zum Schluss war es so, dass er nichts mehr gehabt hat und ich dann gesagt habe, dass ich dann auch alleine weiter machen muss. Aber was ich von ihm gelernt habe, war natürlich viel mehr wert. Ich sehe ihn manchmal heute noch, er arbeitet immer noch im Autoverkauf, er hat aber nie Geld. Man kann Geld ausgeben, aber ich muss immer 100.000 Euro zurücklegen, die darf ich nicht anfassen. Das was dann noch über ist, das kann ich ausgeben.

Anmerkung: Am Tag der Fertigstellung des Buches gab es den von diesen Autoverkäufern betriebene Autoverkaufsplatz nicht mehr.

... andere Berufsgeschichten lesen? Das Buch Berufsgeschichten - Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben gibt es schon ab 5,95 Euro!

 

 © 2005, 2009 Nick Melekian - Reproduktionen, Übersetzungen, Verbreitung, Weiterverarbeitung oder ähnliche Handlungen zu kommerziellen oder nichtkommerziellen Zwecken sowie Wiederverkauf sind ohne die schriftliche Zustimmung des Autors nicht gestattet.